Leben im Holzland

Die alte Lebensweisheit stimmt wohl: „Was man hat kann man meist erst dann richtig würdigen, wenn man es nicht mehr hat!“ Doch steckt in jedem Wechsel natürlich auch stets der Reiz des Neuen. Dieses Neue kommt nach gewisser Zeit, nun schon Gewohnheit geworden, auf den persönlichen Prüfstand der Lebensqualität. Und sehr oft lernen wir erst dann, das Vorhergehende richtig zu schätzen.
So ist es mir mit meiner Beziehung zu Thüringen ergangen.
In Gera geboren und aufgewachsen, in Jena studiert, dort mich in meine Frau, eine Vogtländerin, verliebt, geheiratet, habe ich durch die Stationen Stendal, Zeulenroda, Jena, Malchin, Sangerhausen, Frankfurt/O ein Stück DDR kennen gelernt. Trotz des ständig wechselnden, des interessanten, da doch stets so verschiedenen Umfeldes hörte ich eigentlich nie auf, ein Thüringer zu sein. Ich wusste dies, versteckte es im täglichen Umgang mit den „Anderen“ niemals. Und war stolz darauf. Sollten es ruhig alle wissen. An der „Ostthüringer“ Aussprache, die ich nicht sehr versuchte „zu Verhochdeutschen“, war das ja sowieso zu merken.
Als Arzt arbeitete ich all die Jahre meiner Berufstätigkeit, wie wohl viele meiner Kollegen, fanatisch und begeistert. Ich liebte diesen Beruf. Zumal einer meiner Lieblingsphilosophen Friedrich Nietzsche mir mit seinem Ausspruch „Wir sind nicht auf der Welt um zu leben. Wir leben, um zu arbeiten!“, so recht aus dem Herzen sprach.
Trotzdem bin ich freiwillig in den Vorruhestand gegangen. Heute, mittlerweile Rentner, sage ich überzeugt, dass es eine richtige Entscheidung war.
Richtig, weil es als einzige logische Folge aus einer zunehmenden Frustrierung blieb. Die Freude an der Arbeit für und mit den Menschen? Sie bestand nicht mehr. Und es ist mittlerweile sinnlos, darüber mehr zu erzählen.
Ich wollte also unbedingt aufhören. Aussteigen? Ja! Das ist wohl die bessere Bezeichnung dafür. Dieser Entschluss beinhaltete auch die sichere Absicht, nicht in Brandenburg, wo ich seit 1979 gearbeitet hatte, zu bleiben. Nur wohin? Nach Australien? Oder doch wieder in die alte Heimat? Nach Thüringen? Lange bin ich nicht mehr dort gewesen. Warum also nicht lieber nach Franken oder nach Bayern? Weg aus dem „Angliederungsgebiet“?
Dass nur Thüringen als alter und jetzt wieder neuer Lebensraum in Frage kam, lag eigentlich auf der Hand. Es dauerte bloß ein Stück, bis auch ich das merkte.

Hier will ich nunmehr, da das Holzlandbuch "Im Lande des Mutz" unwiderruflich vergriffen ist, eine weitere Auflage nicht geplant ist, einfach erzählen, was uns an diesem Thüringer Holzland gefällt. Oder aber auch nicht gefällt. Auf alle Fälle sollen die Bilder der Holzlandgalerie allen Besuchern der Homepage zeigen, wie der Landstrich aussieht, der uns veranlaßt hat, nicht nach Australien überzuzsiedeln.

Wieder daheim

Nimm auf dieses Land! Mit tiefen Gefühlen
erleb’ ich die Heimat! Ich bin wieder da.
Die Wiesen, die Wälder, die Täler, sie spielen
in all meinen Sinnen. Und sind mir so nah.
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Es ist mir als wär ich erst gestern gegangen,
obwohl ich so viele Jahre war fern.
Das Holzland hat mich gleich wieder gefangen.
Ja! Diesen Teil Thüringens hab ich so gern.
..
Dazu noch die sprachlich vertrauten Töne!
Ich hatte sie nirgendwo abgelegt.
Das war bei der Rückkehr gerade das Schöne,
weil keiner bemerkte, wie sehr’s mich bewegt,
--
in Freundlichkeit wieder mit Leuten zu leben,
sich grüßen, auch wenn man sich unbekannt,
ganz ungefragt Hilfe dem Nachbarn zu geben.
So ist es halt üblich, man reicht sich die Hand.
--
Nach Jahren des Suchens schließen sich Kreise.
Ich bin zu den Wurzeln zurückgekehrt.
Ergründe mein Thüringen auf eine Weise,
wie ich es früher niemals bemerkt.
--
Ich weiß noch nicht, ob ich hier bleiben werde,
der Drang nach Australien ist ziemlich groß.
Doch eines ist sicher! Nur dieses Stück Erde,
verweil ich, käme in Frage bloß

 

 

Auf Grund immer wieder erfolgender Nachfragen:
Ich habe vom Holzlandbuch "Im Lande des Mutz" eine A 4 PDF Datei CD erstellt.
Auf der CD sind sämtliche Buchinhalte, also neben dem vollständigen Text auch alle Bilder in Farbe und deutlich besserer Vergrößerung (als im Buch), zu lesen und zu sehen.
Man kann die CD (5,00 Euro +1,80 Euro Versand) über die Kontaktseite bestellen. 

 

 

 

 

 

 

 

Franzensquelle - Verstecktes Kleinod im Thüringer Holzland

Als wir nach über 30 Jahren wieder nach Thüringen kamen, begannen wir, unser neues Umfeld zu erforschen. Und stellten immer wieder mit Erstaunen fest, dass viele Holzländer ihre Heimat zwar zu kennen meinen, aber zum Beispiel nicht wissen, warum der Zeitzgrund eben Zeitzgrund heißt. Und die seit 1993 benannte Franzensquelle, einen reichliche Kilometer nördlich von Ruttersdorf liegend, kannte eigentlich niemand.

Die Vermutung, dass hier einem heute fast unbekannten Bobecker, nämlich dem Hobby Geologen und Mineralogen Bruno Franz gedacht wird, ist falsch.

Der Bau der Quelle geht auf die Initiative von zwei Holzland Bewohnern zurück. Ralf Tänzer aus Ruttersdorf und Helmut Claus aus Lotschen störte schon lange, dass schon ziemlich weit oben, vom Rande des Borntals, das Wasser munter und unkontrolliert nach unten plätscherte.
Zunächst begannen sie mit einfachen Plaste- Rohren das Wasser von der darüber liegenden Anhöhe abzuleiten.
Auch angeregt durch die landschaftliche Besonderheit wollten sie jedoch an dieser Stelle einen Quellbrunnen bauen. Aus Eigeninitiative und mit Hilfe von Freunden wurden die Rohrleitungen derart verlegt, dass aus der Mitte eines gemauerten Quellgesteins über ein Wildschweinmaul, das der Steinmetz Harnisch aus Schlöben herstellte, das Wasser in ein kleines eichenes Auffangbecken, gebaut von Wolfgang Höhn aus Lotschen, gelangte.
Wann die Arbeiten genau angefangen haben? Daran kann sich Ralf Tänzer nicht mehr erinnern. Aber die Jahreszahl 1993 steht für die Fertigstellung. Bliebe noch der Namen.
„Für uns Ruttersdorfer hieß der Hügel oberhalb des Quellstein, von dem das Wasser kommt, immer nur die Franzen Ebn!“ erinnert sich Ralf Tänzer. So war der Name „Franzensquell“ geboren. Der Mär, dass das Wasser der Quelle Heilkraft habe, widersprach allerdings ein wissenschaftliches Gutachten. 
 

Der Besuch der Franzensquelle ist ein romantischer drei Kilometer langer Spaziergang, der am günstigsten an der Bushaltestelle Scheiditz (Parkplatz) an der L 1075 beginnt. Rund 800 Meter geht es hinunter zum Borntal und zum Angelsgrund. Sobald man den Schotterforstweg im Grund erreicht könnte man, weiter nach Süden, auch kurz die Zippelteiche besuchen. Zur Quelle allerdings muß man nach links in Richtung eines Blockhauses der Forstwirtschaft, das am alten Zippelteich steht, abbiegen. Lassen Sie sich nicht durch das Schild „Quelle 300 Meter“ verunsichern. Es meint die Bornquelle, die sich in einem gemauerten Bassin in der Schlucht, links vom Weg nach 300 Metern zwischen zwei Hügeln befindet. Der Weg nach dort ist ziemlich uneben. Zur Franzensquelle geht es noch muntere 100 Meter weiter bergauf. Und schon beim Laufen hört man das leise Plätschern des Baches auf der rechten Seite. Über eine sichtbare, schmale Brücke erreichen wir dann die Franzensquelle.

 Bescheiden, und nicht die Namen der Erbauer aufzeigend, hängt an einem Baum ein sinniger Spruch, der wohl die Lebensmaxime dieser Ruttersdorf - Lotschener Bürger dokumentieren soll.

Man kann den bisherigen Weg noch 200 Meter weiter aufwärts gehen, dann kommt eine Absperrung. Davor geht links ein Waldweg ab, der am Vorwegweiser Scheiditz wieder die L 1075 erreicht. Nun sind es noch 150 Meter Landstrasse bis zum Parkplatz.

Eine weitere Wandermöglichkeit beginnt an einem Forstwegabzweig, 200 Meter hinter der Kreuzung Ascherhütte, an der man von der L 1075 nach Ruttersdorf fährt (Schwarzes Kreuz). Der dritte Zugang wäre der Aufstieg von Ruttersdorf, mit Start an der Friedenseiche in Ortsmitte über den Fußweg zwischen zwei Eigenheimen in Richtung Zippelteiche. Und eine letzte Möglichkeit besteht auch vom Lotschen. Startpunkt der Wanderung ist der schmale Fußweg an den Wochenendgrundstücken.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

    

Kühns Höhe

341 Meter hoch ist der Buchberg am östlichen Rand von Bad Klosterlausnitz. Dort beginnt ein Tal in Richtung Weiße Elster, das die waldigen Anhöhen in zwei Hälften teilt. Hinter einer Querverbindung passt sich Tautenhain harmonisch ein in diese Tallandschaft, die über Tautenhain und Seifartsdorf bis zur Elster reicht.

 Am südlichen Talrand liegt Kühns Höhe, wo jedes Jahr im August ein sehr beliebtes Waldfest stattfindet.

Mit Kühns Höhe, errichtet 1905 zum 25. Jahrestag eines treuen Holzlandbesuchers, ehren die Holzländer den Altenburger Geheimen Rat Kühn, einen Naturfreund, der seit 1880 nicht müde wurde, die Schönheit dieser Holzlandlandschaft zu preisen. So wurde er zum unvergessenen ersten regelmäßigen Urlauber. Anlässlich seines Todes 1916 gab es in der Holzlandzeitung sogar einen Nachruf. 1990 wurde das Steindenkmal zum zweiten Mal eingeweiht. Die Zeichen der Zeit bedingten einen Neuaufbau mit den Steinen der Umgebung. Freiwillige Helfer aus Bad Klosterlausnitz, Tautenhain und Weißenborn, unterstützt von den Gemeinden, schufen das Denkmal erneut.

Das Bild von Kühns Höhe kann man in der Holzlandbilder Galerie 2 betrachten. 

 

Die Hügelgräber an der Alten Hochstrasse

Heute ein beliebter Wanderweg, nutzten viele Fuhrunternehmen die Alte Hochstrasse im Mittelalter als eine wichtige Ost- West Handelsverbindung. Die Holzländer Gegend war schon immer ein Verkehrsknotenpunkt. Die vorwiegende Handelsprodukte des Holzlandes, wie Leitern oder Mulden, wurden auf solchen Wegen zu den Handelszentren transportiert. Mit dem Rücktransport kamen dann dortige Waren, wie Gewürze, Tücher, aber auch Fische oder Obst, ins Land.

Nicht viel ist von den Handelsstrassen sowohl auf der Tautenhainer Höhe als auch in Hermsdorf übrig geblieben. Neben den Resten der alten Strasse und dem Bewusstsein, auf einem Handelsweg zu laufen, der im Mittelalter und schon zuvor eine der wichtigen Adern des Landes war, sind aber die Hügelgräber ein interessanter Nachweis, dass in diese Gegend schon vor 3000 Jahren Menschen siedelten.

Nachdem die Menschen der Steinzeit sesshaft wurden, Ackerbau und Viehzucht ihren Lebensunterhalt sicherten, hatten sie auch Zeit, sich anderen wichtigen Sparten des täglichen Lebens zu widmen. Die Werkzeugherstellung und die Fertigung von Gefäßen für den Transport und die Aufbewahrung von Gütern waren wichtig, da nötig.

Überall in Deutschland begannen damals dann auch die sesshaften Bewohner ihre Toten in Hügelgräbern beizusetzen.

Leider wurden viele der im Holzland flachen Hügelgräber zur Gewinnung von Ackerland einfach unterpflügt. Aber immerhin. Etwas wurde halt doch belassen. Die Hügelgräber erreicht man am besten über die Waldsiedlung bei Tautenhain. Leider sind die Parkmöglichkeiten ziemlich weit, da der eigentlich nach Weißenborn führende Weg nur als Forstweg genutzt wird. Nach etwa 800 Meter kommt eine Kreuzung, deren Beschilderung links ins Mühltal und rechts ein Hufeisen mit Pfeil und ein Schild Tautenhain zeigt. Durch ein lichtes Birken- und Fichtenwäldchen erreichen wir nach 250 Metern den Abstieg durch das Lange Tal zur Schössersmühle.

Immer weiter geradeaus, auf einen Weg, den man sich mit den Pferden teilen darf, wird der Wald langsam dichter. Es ist ein Höhenweg und manchmal pfeift der Wind dort oben ganz schön. Am sichersten kommt man auf einem Blockweg aus Beton zu den Gräbern. Ein ungeschützter Hochstand, ein alter Wachsoldatenunterstand sind im „unordentlichen“ und „ungepflegten“ Waldgelände zu sehen.

Nach insgesamt zwei Kilometern erreicht man die Stelle mit den Hügelgräbern. Stünde das Schild des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege nicht am Wegesrand?

Ich wäre vorbeigegangen. Hier wird erklärt, dass es sich um zwei jungsteinzeitliche Grabhügel handelt, etwa von 2600 bis 2000 vor unserer Zeitrechnung. Die beiden Gräber gehörten zu einer ausgedehnten Nekropole, einer größeren Begräbnis- und Weihestätte. Sie soll dort sehr weitflächig gewesen sein. Reichte von der Alten Strasse bis zur Grolle. Was für eine zahlenmäßig reichliche damalige Besiedlung dieses Holzlandteiles spricht. Denn die Grolle ist ein Waldgebiet, das hinter dem Seifartsdorfer Berg (287 Meter Höhe) im Norden von Seifartsdorf zwischen der Alten Hochstrasse und Rauda liegt. Somit hatte die Nekropole eine Ausdehnung von etwa 2,5 Km. Andere Funde betätigten, dass im Holzland schon 4500 Jahre vor unserer Zeitrechnung Menschen lebten. Einen Teil der Hügel hatten die Archäologen in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts ausgegraben. 1996 wurden dann wenigstens die zwei Grabhügel, die stark zerstört waren, rekonstruiert. So stehen jetzt rechts und links eines kleinen Waldweges etwa 30 Meter von der Strasse zwei durch ein primitives Zaungerüst „geschützte“ Erdhügel, auf denen Bäume wachsen. Das war’s. Ach so! Beim rechten Hügel sind an der Basis und auch auf dem Hügel Steinplatten. Der linke Hügel hat noch einige Steine an seiner Basis.

Viele Holzlandbewohner wissen gar nicht, dass es diese Gräber bei Tautenhain gibt.

Die Schnurkeramik

Es ist sicher eine territoriale Besonderheit, wenn sich in den Gräbern Urnen mit Schnurkeramik befanden. Tongefäße, bei denen im weichen Herstellungszustand mit einer um das Gefäß gelegten Schnur Abdrücke, dicht untereinander, gelegt wurden.

Entstanden in Mitteldeutschland verbreitet sich die Technik schnell in alle Richtungen. Das typische bei einer Schnurkeramik ist die Motivumkehrung von Grund und Muster. Durch das Aussparen von Teilen der äußeren Hülle des feuchten Gefäßes entstanden Flächen, Dreiecke, Karos oder Zickzack, die das Muster bildeten. Die durch die Schnur vom Ton befreite darunter liegende Fläche wird so zum neuen Grund. Ohne diese Musterung, bei deren künstlerischer Gestaltung die Vorfahren aus dem Seifartsdorfer Gebiet eine gewisse Meisterschaft erlangten, wären die Tongefäße ansonsten eine langweilige Angelegenheit gewesen. Auf der Tafel des Landesamtes ist eine gemalte Abbildung eines solchen Tongefässes, das wohl eine Urne darstellen soll. Das Gefäß hat einen Henkel. Im Krughalsbereich sind 7 Doppelreihen mit punktförmiger Ornamentierung zu sehen. Und im bauchigen Teil gehen von einer solchen Schmuckreihe dreieckige Figuren rund um die Urne. Alle Dreiecke zeigen wieder diese punktartigen Verzierungen, die nicht nur durch Schnüre eingedrückt, sondern auch mit kleinen Holzstäben eingeritzt wurden. Die Seifartsdorfer Schnurkeramik machte viele alte Urnen somit unvergesslich. Ein Hoch diesen Künstlern. Und ein Tief den Menschen, denen kulturhistorischer Nachlass nicht viel bedeutet. Der überall angegebene Schäfereiweg, an dem sich Hügelgräber mit besonders schönen durch Schnurkeramik verzierten Gefäßen befanden, ist dem Bagger des Dolomitwerkes zum Opfer gefallen. Und die Hügelgräber wohl auch. Ältere Seifartsdorfer erinnern sich noch an den Lehrer in den 50ziger Jahren, der mit ihnen diese Gräber besichtigte und von den Vorfahren erzählte. Vorbei! Vergessen!