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Die alte Lebensweisheit stimmt
wohl: „Was man hat kann man meist erst dann richtig würdigen, wenn man es
nicht mehr hat!“ Doch steckt in jedem Wechsel natürlich auch stets der
Reiz des Neuen. Dieses Neue kommt nach gewisser Zeit, nun schon Gewohnheit
geworden, auf den persönlichen Prüfstand der Lebensqualität. Und sehr oft
lernen wir erst dann, das Vorhergehende richtig zu
schätzen. Hier will ich nunmehr, da das Holzlandbuch "Im Lande des Mutz" unwiderruflich vergriffen ist, eine weitere Auflage nicht geplant ist, einfach erzählen, was uns an diesem Thüringer Holzland gefällt. Oder aber auch nicht gefällt. Auf alle Fälle sollen die Bilder der Holzlandgalerie allen Besuchern der Homepage zeigen, wie der Landstrich aussieht, der uns veranlaßt hat, nicht nach Australien überzuzsiedeln. Wieder daheim
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Franzensquelle - Verstecktes Kleinod im Thüringer Holzland Als wir nach über 30 Jahren wieder
nach Thüringen kamen, begannen wir, unser neues Umfeld zu erforschen. Und
stellten immer wieder mit Erstaunen fest, dass viele Holzländer ihre
Heimat zwar zu kennen meinen, aber zum Beispiel nicht wissen, warum der
Zeitzgrund eben Zeitzgrund heißt. Und die seit 1993 benannte
Franzensquelle, einen reichliche Kilometer nördlich von Ruttersdorf
liegend, kannte eigentlich niemand. Die Vermutung, dass hier einem heute fast unbekannten Bobecker, nämlich dem Hobby Geologen und Mineralogen Bruno Franz gedacht wird, ist falsch.
Der Besuch der Franzensquelle ist ein romantischer drei Kilometer langer Spaziergang, der am günstigsten an der Bushaltestelle Scheiditz (Parkplatz) an der L 1075 beginnt. Rund 800 Meter geht es hinunter zum Borntal und zum Angelsgrund. Sobald man den Schotterforstweg im Grund erreicht könnte man, weiter nach Süden, auch kurz die Zippelteiche besuchen. Zur Quelle allerdings muß man nach links in Richtung eines Blockhauses der Forstwirtschaft, das am alten Zippelteich steht, abbiegen. Lassen Sie sich nicht durch das Schild „Quelle 300 Meter“ verunsichern. Es meint die Bornquelle, die sich in einem gemauerten Bassin in der Schlucht, links vom Weg nach 300 Metern zwischen zwei Hügeln befindet. Der Weg nach dort ist ziemlich uneben. Zur Franzensquelle geht es noch muntere 100 Meter weiter bergauf. Und schon beim Laufen hört man das leise Plätschern des Baches auf der rechten Seite. Über eine sichtbare, schmale Brücke erreichen wir dann die Franzensquelle.
Bescheiden, und nicht die Namen
der Erbauer aufzeigend, hängt an einem Baum ein sinniger Spruch,
der wohl die Lebensmaxime dieser Ruttersdorf -
Lotschener Bürger dokumentieren soll. Man kann den bisherigen Weg noch 200 Meter weiter aufwärts gehen, dann kommt eine Absperrung. Davor geht links ein Waldweg ab, der am Vorwegweiser Scheiditz wieder die L 1075 erreicht. Nun sind es noch 150 Meter Landstrasse bis zum Parkplatz.
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Kühns Höhe
341 Meter
hoch ist der Buchberg am östlichen Rand von Bad Klosterlausnitz. Dort beginnt
ein Tal in Richtung Weiße Elster, das die waldigen Anhöhen in zwei Hälften
teilt. Hinter einer Querverbindung passt sich Tautenhain harmonisch ein in diese
Tallandschaft, die über Tautenhain
und Seifartsdorf bis zur Elster reicht.

Mit Kühns Höhe, errichtet 1905 zum 25. Jahrestag eines treuen Holzlandbesuchers, ehren die Holzländer den Altenburger Geheimen Rat Kühn, einen Naturfreund, der seit 1880 nicht müde wurde, die Schönheit dieser Holzlandlandschaft zu preisen. So wurde er zum unvergessenen ersten regelmäßigen Urlauber. Anlässlich seines Todes 1916 gab es in der Holzlandzeitung sogar einen Nachruf. 1990 wurde das Steindenkmal zum zweiten Mal eingeweiht. Die Zeichen der Zeit bedingten einen Neuaufbau mit den Steinen der Umgebung. Freiwillige Helfer aus Bad Klosterlausnitz, Tautenhain und Weißenborn, unterstützt von den Gemeinden, schufen das Denkmal erneut.
Das Bild von Kühns Höhe kann man in der Holzlandbilder Galerie 2 betrachten.
Die Hügelgräber an
der Alten Hochstrasse
Heute ein beliebter Wanderweg, nutzten
viele Fuhrunternehmen die Alte Hochstrasse im Mittelalter als eine wichtige Ost-
West Handelsverbindung. Die Holzländer Gegend war schon immer ein
Verkehrsknotenpunkt. Die vorwiegende Handelsprodukte des Holzlandes, wie Leitern
oder Mulden, wurden auf solchen Wegen zu den Handelszentren transportiert. Mit
dem Rücktransport kamen dann dortige Waren, wie Gewürze, Tücher, aber auch
Fische oder Obst, ins Land.
Nicht viel ist von den Handelsstrassen
sowohl auf der Tautenhainer Höhe als auch in Hermsdorf übrig geblieben. Neben
den Resten der alten Strasse und dem Bewusstsein, auf einem Handelsweg zu
laufen, der im Mittelalter und schon zuvor eine der wichtigen Adern des Landes
war, sind aber die Hügelgräber ein interessanter Nachweis, dass in diese Gegend
schon vor 3000 Jahren Menschen siedelten.
Nachdem die Menschen der Steinzeit sesshaft
wurden, Ackerbau und Viehzucht ihren Lebensunterhalt sicherten, hatten sie auch
Zeit, sich anderen wichtigen Sparten des täglichen Lebens zu widmen. Die
Werkzeugherstellung und die Fertigung von Gefäßen für den Transport und die
Aufbewahrung von Gütern waren wichtig, da nötig.
Überall in Deutschland begannen damals dann
auch die sesshaften Bewohner ihre Toten in Hügelgräbern
beizusetzen.
Leider wurden viele der im Holzland flachen Hügelgräber zur Gewinnung von Ackerland einfach unterpflügt. Aber immerhin. Etwas wurde halt doch belassen. Die Hügelgräber erreicht man am besten über die Waldsiedlung bei Tautenhain. Leider sind die Parkmöglichkeiten ziemlich weit, da der eigentlich nach Weißenborn führende Weg nur als Forstweg genutzt wird. Nach etwa 800 Meter kommt eine Kreuzung, deren Beschilderung links ins Mühltal und rechts ein Hufeisen mit Pfeil und ein Schild Tautenhain zeigt. Durch ein lichtes Birken- und Fichtenwäldchen erreichen wir nach 250 Metern den Abstieg durch das Lange Tal zur Schössersmühle.

Immer weiter geradeaus, auf einen Weg, den
man sich mit den Pferden teilen darf, wird der Wald langsam dichter. Es ist ein
Höhenweg und manchmal pfeift der Wind dort oben ganz schön. Am sichersten kommt
man auf einem Blockweg aus Beton zu den Gräbern. Ein ungeschützter Hochstand,
ein alter Wachsoldatenunterstand sind im „unordentlichen“ und „ungepflegten“
Waldgelände zu sehen.
Nach insgesamt zwei Kilometern erreicht man die Stelle mit den Hügelgräbern. Stünde das Schild des Thüringischen Landesamtes für Denkmalpflege nicht am Wegesrand?

Ich wäre vorbeigegangen. Hier wird erklärt,
dass es sich um zwei jungsteinzeitliche Grabhügel handelt, etwa von 2600 bis
2000 vor unserer Zeitrechnung. Die beiden Gräber gehörten zu einer ausgedehnten
Nekropole, einer größeren Begräbnis- und Weihestätte. Sie soll dort sehr
weitflächig gewesen sein. Reichte von der Alten Strasse bis zur Grolle. Was für
eine zahlenmäßig reichliche damalige Besiedlung dieses Holzlandteiles spricht.
Denn die Grolle ist ein Waldgebiet, das hinter dem Seifartsdorfer Berg (287
Meter Höhe) im Norden von Seifartsdorf zwischen der Alten Hochstrasse und Rauda
liegt. Somit hatte die Nekropole eine Ausdehnung von etwa 2,5 Km. Andere Funde
betätigten, dass im Holzland schon 4500 Jahre vor unserer Zeitrechnung Menschen
lebten. Einen Teil der Hügel hatten die Archäologen in der ersten Hälfte des 20.
Jahrhunderts ausgegraben. 1996 wurden dann wenigstens die zwei Grabhügel, die
stark zerstört waren, rekonstruiert. So stehen jetzt rechts und links eines
kleinen Waldweges etwa 30 Meter von der Strasse zwei durch ein primitives
Zaungerüst „geschützte“ Erdhügel, auf denen Bäume wachsen. Das war’s. Ach so!
Beim rechten Hügel sind an der Basis und auch auf dem Hügel Steinplatten. Der
linke Hügel hat noch einige Steine an seiner Basis.
Viele Holzlandbewohner wissen gar nicht, dass es diese Gräber bei Tautenhain gibt.
Die
Schnurkeramik
Es ist sicher eine territoriale Besonderheit, wenn sich in den Gräbern Urnen mit Schnurkeramik befanden. Tongefäße, bei denen im weichen Herstellungszustand mit einer um das Gefäß gelegten Schnur Abdrücke, dicht untereinander, gelegt wurden.

Entstanden in Mitteldeutschland verbreitet sich die Technik schnell in alle Richtungen. Das typische bei einer Schnurkeramik ist die Motivumkehrung von Grund und Muster. Durch das Aussparen von Teilen der äußeren Hülle des feuchten Gefäßes entstanden Flächen, Dreiecke, Karos oder Zickzack, die das Muster bildeten. Die durch die Schnur vom Ton befreite darunter liegende Fläche wird so zum neuen Grund. Ohne diese Musterung, bei deren künstlerischer Gestaltung die Vorfahren aus dem Seifartsdorfer Gebiet eine gewisse Meisterschaft erlangten, wären die Tongefäße ansonsten eine langweilige Angelegenheit gewesen. Auf der Tafel des Landesamtes ist eine gemalte Abbildung eines solchen Tongefässes, das wohl eine Urne darstellen soll. Das Gefäß hat einen Henkel. Im Krughalsbereich sind 7 Doppelreihen mit punktförmiger Ornamentierung zu sehen. Und im bauchigen Teil gehen von einer solchen Schmuckreihe dreieckige Figuren rund um die Urne. Alle Dreiecke zeigen wieder diese punktartigen Verzierungen, die nicht nur durch Schnüre eingedrückt, sondern auch mit kleinen Holzstäben eingeritzt wurden. Die Seifartsdorfer Schnurkeramik machte viele alte Urnen somit unvergesslich. Ein Hoch diesen Künstlern. Und ein Tief den Menschen, denen kulturhistorischer Nachlass nicht viel bedeutet. Der überall angegebene Schäfereiweg, an dem sich Hügelgräber mit besonders schönen durch Schnurkeramik verzierten Gefäßen befanden, ist dem Bagger des Dolomitwerkes zum Opfer gefallen. Und die Hügelgräber wohl auch. Ältere Seifartsdorfer erinnern sich noch an den Lehrer in den 50ziger Jahren, der mit ihnen diese Gräber besichtigte und von den Vorfahren erzählte. Vorbei! Vergessen!