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RFDS- Der Stolz der australischen
Medizin
Sie können
einen Australier ärgern oder beleidigen. Meist wird er gutmütig lachen
oder schweigend darüber hinweggehen. Bis auf zwei Sachen. Da sollten sie
als Ausländer, wenn sie nicht der Meinung der Aussies sind, lieber
schweigen. Einmal, wenn
die „Kängurus oder Wallabies“ gegen England oder Neuseeland irgendeinen
sportlichen Wettkampf verlieren und zum anderen, wenn sie über den RFDS
negativ reden. Es soll sogar Bars geben, wo der Gast erst dann Alkohol
bekommt, nachdem er etwas für den RFDS gespendet hat. (Habe ich aber nur
gehört!) RDFS
steht für Royal Flying Doctor
Service. Die
„Fliegenden Doktors “ sind auf der Welt einmalig. Am 15. Mai 2003 war der
75. Jahrestag der Gründung dieser segensreichen Institution, die also seit
1928 medizinische Hilfe in die entlegendsten Gebiete des großen Kontinents
brachten. Was aber war vorher? Im Medical
Museum für Western Australia (WA) in Perth wird über den Beginn der
medizinischen Betreuung des Kontinentes in Wort und Bild erzählt. Denn
bevor die ersten Ärzte zu den Patienten in den Busch flogen war eine lange
Durststrecke in der medizinischen Betreuung zu überstehen. In den
Sträflingskolonien arbeiteten Militärärzte, die für den Gesundheitszustand
verantwortlich waren. In West Australia aber zum Beispiel gab es keine
Sträflinge. Nur Siedler! Der erste europäische Arzt in WA, der anders als
die Schiffsärzte, die beim gelegentlichen Anlegen vorübergehend
praktizierten, war Isaac Scott Nind. Ein Militärarzt, der bei einer
längeren militärischen Erkundung in der Gegend des späteren Albany das 39.
Regiment begleitet. Er praktizierte an Land und als erste urkundlich
nachweisbare Patienten operierte er zwei Soldaten, die von Eingeborenen
mit Speeren verletzt worden waren. Wie viele britische Ärzte, die zu dem
neuen Kontinent mit den Schiffen kamen, untersuchte auch er „Land und
Leute“. Er veröffentlichte interessante anthropologische Studien und gab
ein erstes Aborigines Wörterbuch heraus. Das war 1826. Drei Jahre später
kam „Verstärkung“. Aber diese Ärzte mussten, um nicht dem Militär oder der
Navy unterstellt zu sein, offiziell als Siedler leben. Ein ungewohnter und
ein schwerer Job, als Arzt eigenes Land zu bewirtschaften und auch noch
Medizin zu betreiben. Unter den einigen hundert Siedlern, die in den
ersten Jahren in WA entweder starben oder aber ihren Verstand verloren,
befanden sich immerhin 12 Ärzte. Ein 29 jähriger Arzt ertrank, als er
versuchte, mit einer Kuh den Swan Fluss zu überqueren, ein anderer starb
schon mit 27 Jahren. Männer wie Alexander Collie, F.C. Irwin, Dr.
Milligan, die das erste Hospital in WA errichteten, erwarben sich so große
Verdienste. Der erste zugelassene Praktiker war ein Dr. Hampton, der von
1862 bis 1868 sogar zum Gouverneur von WA gewählt wurde. 1886 bekam WA die
erste Heilverordnung und 1909 berief die Regierung Dr. Hope zum ersten
Gesundheitsminister. Aber die
eigentlichen Helden in der medizinischen Betreuung, die Pioniere, wie die
Australier die ersten Siedler immer nennen, sind eindeutig die
Krankenschwestern, die Nurses. Unter heute kaum vorstellbaren Bedingungen
arbeiteten sie. Ihr Einsatz im Goldfeld 1892 verhinderte, dass die die
Sterblichkeitsrate nicht noch höher
war. Eine der
Schwestern, Chese Sanders, schrieb. „Ich werde diesen verfaulten,
stinkenden, abgestandenen Geruch niemals wieder vergessen. Die tausende
Fliegen, die sich vom Schmutz des Bodens erheben. Es gibt keine sanitären
Anlagen. Bei jedem Schritt muß man sich vorsehen!“ Die Bilder von den
Lazarettzelten können die Schwierigkeiten kaum richtig wiedergeben. Die
Krankenschwestern lebten in zwei Zelten auf dem Gelände, die von den
Goldgräbern liebevoll „Miserable (jämmerliches) House“ und „Piccadilly“
genannt wurden. Die
Arbeitsbedingungen der Ärzte in Perth entsprachen schon nach kurzer Zeit
denen in Europa. Manchmal hatten sie sogar eine modernere Ausrüstung als
ihre europäischen Kollegen. Die Besonderheit der Arbeit war dieser
gnadenlose 24 Stunden Dienst, die angeforderten Besuche oder freiwilligen
Sprechstunden im Busch, die in der damaligen Zeit nicht ungefährlichen
Hausbesuche mit Pferd oder Wagen in die Wildnis. Bekannt und populär wurde
damals ein Zahnarzt, der auf einem Kamel regelmäßig ins Goldfeld zur
Behandlung trabte. Die
mangelnden Hygienebedingungen ließen Krankheiten wie Typhus, Diphtherie,
Keuchhusten, Durchfall durch Entzündungen des Darmes und Tbc regelrecht
grassieren. Das Hauptproblem des Goldfeldes? Es fehlte Wasser für diese
vielen Menschen. Die Krankenschwestern berichteten, wie sie das vorhandene
Salzwasser mit Soda oder Limonade trinkbar machten. Die Lösung des
Wasserproblems im Goldfeld in WA wird eine besondere Geschichte werden. Es
gab 1897 immerhin 1400 Erkrankungen an Typhus. Daran starben 180 Menschen.
Seit 1911 arbeitete und lebte der Priester der Presbyterianischen Kirche
John Flynn (1880 bis 1951) in der Beltana Mission im Norden von South
Australia. Er sah, wie schwierig es war, einem Erkrankten im Inland zu
helfen. Als er 1912 mit anderen Priestern versuchte, auch im Inland
Australiens die Presbyterianische Kirche zu etablieren, führte er ein
Minimalangebot an medizinischer Hilfe stets bei sich. Auf Pferden oder
Kamelen ritten sie durch das Outback. Sie richteten Missionsstationen ein,
die auch Erste Medizinische Hilfe leisteten. Das reichte kaum. Verletzung
oder Erkrankung im Outback hatten oft den Tod des Menschen zur Folge.
Flynn träumte von einem „Mantel der Sicherheit“, der das Inland in Sachen
medizinische Betreuung umhüllen sollte. Seit den ersten Flugversuchen
1908, seit dem Einsatz von Flugzeugen im Ersten Weltkrieg, war er
überzeugt, dass Flugzeuge das geeignete Medium für diesen Mantel sein
können. Und dann kam ein für Flynn unvergessliches Erlebnis. 1917
verletzte sich ein junger Stockman, wie die Aussies ihre Cowboys nennen,
sehr schwer. Er war bei dem Versuch eine durchgehende Rinderherde zu
stoppen vom Pferd gestürzt. Mit einem kleinen Wagen brachten ihn seine
„Mates“ zur Poststation von Halls Creek. Der Postmeister, ein Mister
Tuckett, versuchte vergeblich die nächsten Doktoren in Wyndham oder Derby
zu erreichen. Diese Orte lagen mehr als 400 Kilometer von Halls Creek
entfernt. In letzter Verzweiflung telegrafierte Tuckett die Symptome des
schwer verletzten Mannes zu Dr. Holland in Perth, der den Postmeister
Jahre zuvor in Erster Hilfe unterrichtet hatte. Nach Kenntnis der
gemorsten Symptome vermutete Dr. Holland einen Riss der Harnblase. Da der
Postmeister der einzige mit einigen medizinischen Kenntnissen war, sollte
er den Verletzten unverzüglich operieren. Aber Tuckett weigerte sich. Ohne
Betäubung und nur mit einem Taschenmesser? Das traute er sich nicht zu. Da
es aber die einzige Chance für den verletzten Jimmy Darcy war, am Leben zu
bleiben, willigte er schließlich ein. Die Kameraden von Jimmy holten einen
großen Tisch, der als Operationstisch dienen sollte, und Tuckett operierte
etappenweise nach den Anweisungen von Dr. Holland über den
Morsetelegraphen. Die Operation dauerte sieben Stunden. Da sich am
nächsten Tag Jimmys Zustand nicht besserte telegrafierte der Doktor aus
Perth Anweisungen für eine weitere Operation. Bald war der verletzte Mann
nicht mehr ansprechbar, deshalb reiste Dr. Holland mit einem Schiff nach
Derby, wo er nach 10 Tagen eintraf. Von dort bewältigte er auch noch die
600 Kilometer „Buckelpiste“. Er erreicht Halls Creek. Aber Darcy war vor
seinem Eintreffen gestorben. Die Leichenschau ergab, dass Tuckett die
Operationen, trotz der akuten und großen Schwierigkeiten, ordentlich
ausgeführt hatte. Die Ursache für den Tod von Darcy war eine chronische
Malaria und ein Blinddarmabszess. Sicher würde der junge Stockman noch
leben, wenn eine bessere und auf die Beschwerden abgestimmte Behandlung
möglich gewesen wäre. Flynn wertete sehr oft dieses Ereignis von Halls
Creek als ein Beispiel für die Notwendigkeit von geeigneter medizinischer
Hilfe im Outback. Schon 1918 entwickelte er zusammen mit einem jungen
Medizinstudenten und Flieger Clifford Peel einen Plan für eine
medizinische Hilfe aus der Luft. Peel veröffentlichte 1918 seine
denkwürdige Abhandlung „A young Australian’s vision- aeroplanes for the
Inland“. Diese Schrift ist die Geburtsstunde des RFDS. Peel bewies, dass
schon drei Standorte (Oonadatta in SA, Cloncurry in Queensland und
Katherine im NT) bei einer Flugstrecke von 500 Kilometer reichen würden,
um ein Gebiet von 750.000 Km² medizinisch und auch geistlich zu versorgen.
Das war der erste rechnerische Beweis der Machbarkeit. Leider erlebte er
die Realisierung nicht mehr. Er starb als Leutnant der Luftwaffe 1918 im
1. Weltkrieg. Machbarkeit war das eine, aber schon damals erkannte Flynn,
dass die beste Bereitschaft zu helfen nutzlos war, ohne einen sicheren Weg
der Anforderung für einen Arzteinsatz. Der Durchbruch kam 1926. Durch eine
Spende von dem Erfinder Mc Kay konnte die Station der Inland Mission Alf
Traeger, den „wireless expert“ (Experte für drahtlose Übertragung),
einstellen. Traeger erfand das Pedalradio, ein transportables preiswertes
Gerät, das leicht zu bedienen war. Flynn, immer noch unter dem Ereignis
von Halls Creek stehend, machte niemals aus seinen Emotionen, seiner
Erschütterung einen Hehl als er schrieb “von Piloten gesteuerte Flugzeuge
mit fliegenden Doktoren, das reicht allein für eine Rettung nicht aus,
wenn der Busch stumm bleibt. Aber es gibt einen magischen Knopfdruck, der
dem stummen Busch eine Zunge gibt. Ja, den gibt es. Drahtlos.“ So
entwickelte er seine Vision „des Mantels der Sicherheit“ für die Bewohner
des Inlandes. 1927 wollten Flynn und Traeger die drahtlose Übermittlung bekannt machen. Sie nutzten dazu die Rennen des „Melbourne Cups“. Damals waren alle Pferdefreunde der Stadt Cloncurry in Queensland, tausende Kilometer von Melbourne entfernt, sehr aufgeregt. Ein Lokalmatador, das Pferd Trivial, war ein heißer Tipp für das große Rennen in Melbourne. Durch die Ankündigung der drahtlosen Ergebnisübermittlung standen Flynn und Traeger sofort in der öffentlichen Aufmerksamkeit. Und es klappte. Eine begeisterte große Menschenmenge hörte in Cloncurry wie ihr Pferd eine gute Länge vor dem Favoriten Silvius das Rennen gewann. Die Leute glaubten an Zauberei. Cloncurry wurde die erste Basis des AMS (Areal Medical Service) in Australien am 15. Mai 1928...........
Das rote Herz des
Kontinents
100 Jahre nach der Inbesitznahme
Australiens durch die Europäer, die Engländer nannten das damals
Besiedlung, wurde der Frieden des roten Zentrums erstmals gestört. Bis
dahin mieden die Weißen den beschwerlichen und wohl auch tödlichen Weg
dorthin. Im Herzen des Kontinents lebten die Ureinwohner wie gehabt.
Anangu (Menschen, die dort leben) nannte sich der Stamm. Die Umgebung war
zwar dürftig und attraktionslos. Aber gerade dieses Mittelstück, das vom
Kontinent wie ein schützender Mantel umgeben wird, hat einen hohen
Traditionswert. Hier geht es nicht nur um das Weiterexistieren bestimmter
einheimischer Tiere und Pflanzen. Hier, besonders hier, entscheidet sich
die Bewahrung der Traditionen eines sehr alten Volkes. Die Tjukurpa, das
oberste Gesetz für Kultur, für die Ordnung des Zusammenlebens und die
Regeln dieser Ordnung, bestimmte seit der Entstehung bis zur Gegenwart das
Leben der Aborigines. Sie lebten zufrieden in der Pila (Sandebene) oder
dem Puti (Buschland). Kletterten auf Puli (Bergbereiche), durchquerten
Kari (trockene Wasserläufe). Das Gesetz gebot ihnen sich vor Tali
(Sanddünen) zu hüten und die karge Vegetation, wenn nötig, etappenweise
abzubrennen (Ngaru). So gestaltete sich ihr Leben im Einklang mit der
Natur mindestens über 22 Tausend Jahre. Die Übersetzung von Tjukurpa mit
„Traumzeit“ ist nicht ganz korrekt. Das Gesetz hat nichts mit Träumerei zu
tun. Es ist ein Erklärungs- und Verhaltenskodex im üblichen Sinn. Auf alle
Fragen der Ureinwohner, von der Entstehung bis zum täglichen Leben gibt es
Auskunft und Verhaltensregeln. Tjukurpa erzählt von der Schöpfung, erklärt
physikalisch, wie Gegenstände entstanden sind, wie und wann sich
Ereignisse entwickeln, lehrt die rechte Art der Beziehungen zwischen
Menschen untereinander, zu den Pflanzen, zu Tieren, zum umgebenden Land.
Tjukurpa ist Gesetz. Und die Alten sind verpflichtet, die Lehrer der
Jungen zu sein! Es gibt ein solches Gesetz für Männer und für Frauen. Das
Zusammenleben in der Gruppe wird durch eine „gemeinsame Zuständigkeit“
geregelt. Die Schwester der Mutter eines Kindes fühlt sich ebenso als
Mutter dieses Kindes, wie der Bruder des Vaters. So haben die Kinder viele
Eltern. 1873 beendete Ernest Giles die scheinbare
Unerreichbarkeit dieses Gebietes. Noch bei seinem ersten Versuch
scheiterte er an der Natur. Zwar benannten er und Baron von Müller, ein
deutscher Botaniker, den Mount Olga („ein hohes und abrupt endendes
Gebirge“) nach der Königin Olga von Württemberg, aber am Lake Amadeus,
einem Salzsee, stoppte die Expedition. Die Pferde waren ungeeignet für ein
weiteres Vorwärtskommen. Ein Jahr später, jetzt mit Kamelen, erreichte er
den heiligen Berg Uluru. Aber da war schon einer vor ihm da gewesen. Der
Engländer William Gosse kam mit seinem Kameltreiber Kamran durch. Er war
der erste Weiße, der auf den Uluru kletterte und den Berg zu Ehren des Sir
Henry Ayer, Leitender Ministers von Süd Australien, Ayers Rock nannte. Die
Aussagen von Gosse und Giles stimmen überein, wenn sie sagen „Das ist ein
unwahrscheinlicher Berg. Er erhebt sich nahtlos aus der Ebene. Ich habe
ein wunderbares Naturschauspiel gesehen!“ Die Ureinwohner beschrieben sie
als freundliche und friedliche Menschen. Waren sie auch. Denn die
Aborigines hielten die „Bleichgesichter“ für zurückgekehrte Geister
Verstorbener, die auch wieder gehen würden. Für sie war ihre Welt schon
immer so und würde auch immer so bleiben. Auch die bald danach stattgefundene
Hornexpedition mit Professor Baldwin Spencer, die wissenschaftliche
Forschungen über Aborigineskultur, über Geologie der Gegend, über Wetter
und Pflanzen betrieb, schlussfolgerten, dass hier eine nicht lohnenswerte
Gegend für Europäer sei Dadurch blieben die Ureinwohner weiterhin relativ
ungestört. Vereinzelt kam es zu Begegnungen mit Wissenschaftlern, mit
Goldsuchern oder Dingojägern. Und diese Besucher waren wegen der
Tauschgeschäfte sogar willkommen. So richtig hat aber wohl keiner der
Digger Gold gefunden. Auch nicht Harold Lasseter. Oder doch? Der „Jäger
des verborgenen Schatzes“ ist eine schillernde Figur in der Geschichte um
Ayers Rock. Nach ihm wurde sogar ein Highway benannt. Niemand weiß, was
damals wirklich geschah.......... |
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