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The Aboriginal People Die Traumzeit und ihre Legenden Die Entstehung
und Besiedlung von Terra Australis Die älteste
Kultur der Welt, die überlebte! Die
Schöpferwesen oder totemische Ahnen Die Schöpfung
des Murray durch Ngurunderi Das (Die?)
Schöpferwesen Numbakula The important Ancestor
Tjilbruke Die Ureinwohner
und das Weltall Die Legenden von
Land und Leuten Die Tiere in den
Legenden der Traumzeit Stories über für
Australien typische Gegenstände Die indigenous
Australians vor 1788 Ngurunderi und
der letzte große Baum
Die Ureinwohner Australiens (The Indigenous People) unterscheiden in Ihrer Geschichte zwei wesentliche Kapitel: Die Zeit vor 1788 und die Zeit danach. Hier habe ich mich bemüht, aus den vorhandenen Quellen einen Überblick über das Leben der Ureinwohner Australiens zu geben, bevor durch die britische Kolonisation aus den Ureinwohnern „das unglücklichste Volk auf der Welt, das ich kenne (Zitat James Cook)“, wurde. Ich wollte vor allen Dingen die weißen Vorurteile, dass man es hier mit einem rückständigen Steinzeitvolk zu tun habe, ausräumen. Wir könnten noch heute viel von den Ureinwohnern lernen. Aber wer will das schon???
Die Entstehung und Besiedlung von Terra Australis
Die Entstehung und Besiedlung von Terra
Australis Von Pangäa bis Terra australis Die erste Eroberung von Terra
australis
Von Pangäa bis Terra australisNoch in der
Trias, also vor etwa 225 Millionen Jahren, waren Europa und Australien gar
nicht so weit von einander entfernt und auf dem Landweg erreichbar. So
konnten sich die ersten Dinosaurier über den gesamten damaligen
„Urkontinent“ ausbreiten. Was durch Fossilienfunde bewiesen ist. Dieser
Urkontinent Pangäa erstreckte sich vom Nordpol bis zum Südpol und
bestand aus zwei Teilen. Dem nördlichen Anteil Laurasia und dem
südlichen Teil Gondwana. Einige Wissenschaftler nehmen an, dass es zwischen den beiden Kontinentmassen schon immer Lockerungszonen gegeben haben könnte. So kam es zur Bildung eines Meeresarmes, der in seiner Ausdehnung und Breite wechselte. Ein gewaltiger Ozean (Panthalassa), der zwei Drittel der Erdoberfläche bedeckte, umgab den riesigen Urkontinent. Als Superkontinent bezeichnet man eine zusammenhängende Landmasse, die durch das Zusammenschieben (untereinander oder aufeinander) von Platten der Erdkruste, die vorher schon Kontinente gebildet hatten, entsteht. Unsere Erde ist ca. 4,6 Milliarden Jahre alt. Theoretisch gab es solche Superkontinente schon öfters. Sicher nachgewiesen ist aber lediglich die Bildung von Pangäa. Im Perm (286 bis 245 Millionen Jahre) vereinigten sich alle Kontinente der Erde zu Pangäa und so entstand ein Superkontinent. Mitteleuropa lag am Äquator und ein großer Kontinentbereich in der südlichen Hemisphäre wurde von Gletschern bedeckt. Nach wissenschaftlichen Untersuchungen liegt Australien erst seit 280 Millionen Jahren südlich des Äquators. Der Erdmantel unter Pangäa war immer noch heiß und versuchte aufwärts zu steigen. So ist es nicht verwunderlich, dass damals Afrika über 10 Meter höher lag als die anderen Kontinente. Es gilt als gesichert, dass Gondwana im Mesozoikum (250 bis 65 Millionen Jahre) wieder auseinanderbrach. Zunächst in West- Gondwana (Afrika und Südamerika) und Ost- Gondwana (Australien, Ostantarktis, Indien und Krustenblöcke der Westantarktis). Dies geschah etappenweise relativ schnell. Denn es dauerte maximal „bloß“ 140 Millionen Jahre. Die vor 135 Millionen Jahren beginnende Trennung von Pangäa in Laurasia (mit Nordamerika und Eurasien) und Gondwana, war auch der Beginn der Driftung der Landmassen, die langsam und unaufhaltsam eigentlich noch bis heute besteht.
Vor 65 Millionen Jahre existieren die beiden Superkontinente nicht mehr. Zwar hängen Nordamerika und Eurasien noch zusammen, trennen sich aber im Bereich der heutigen Alpen, nachdem Afrika als Folge des Kontinentaldrifts mit Europa kollidierte und so die Alpen aufgewölbt wurden. Der sicher erhebliche Aufprall von Indien auf Asien führt zur Entstehung des Himalajas. Etwa vor 130 Millionen Jahre (frühe Kreidezeit) entfernt sich Südamerika von Afrika. So begann die Öffnung des Südatlantiks. In der späten Kreidezeit (90 Millionen Jahre) lösten sich als letzte Fragmente Australien und Neuseeland von der Ostantarktis. Diese „Bruchstellen“ kann man in Albany noch heute besichtigen. Einige Australier sind der Meinung, dass Landansprüche auf antarktische Gebiete erhoben werden müssen. Es ist nach dem bisher Gesagten aber eigentlich umgekehrt. Die Australier sollten froh sein, wenn die Bewohner der Antarktis nicht Australien und gleich auch Neuseeland zurück haben wollen. Ein Recht dazu hätten, wenn es sie gibt, vielleicht die Nachkommen der Gond, einem alten Volk, das in der historischen Landschaft Gondwana in Mittelindien lebte. Aber doch niemals die weißen Australier. Dann wohl eher noch die Ureinwohner, das Indigenous People. Zumal diese beschriebenen Vorgänge, die zur Entstehung der Kontinente führten, nach Auffassung der Geologen bei weitem noch nicht abgeschlossen sind. Die Dynamik der Kontinentdriftung geht weiter! Man meint mit relativ hoher Sicherheit die Entwicklung folgender Veränderungen voraussagen zu können: Afrika wird weiter nach Norden wandern, das Mittelmeer muss einer Gebirgskette Platz machen und Mitteleuropa könnte entlang des Rheins auseinander brechen. Indien taucht unter dem Himalaja ab und verschwindet unter Tibet. Das hat zur Folge, dass von der Mongolei bis zum Baikalsee eine ausgedehnte, große Gebirgskette entsteht. Und Australien? Auch dort erwarten die Wissenschaftler große Veränderungen. Schnelles Driften nach Norden, Unterwandern der Sunda- Inseln, die zu einem neuem Gebirgskette auf der australischen Platte aufgetürmt werden. Einige Wissenschaftler behaupten, dass die australische Platte schon jetzt mit den südlichen Inseln von Südostasien zusammen stößt. „Geht dies weiter“, meint der amerikanische Geologe Dr. Scotese aus Arlington/Texas, „so wird die linke Schulter Australiens abgefangen, der Kontinent dreht sich und stößt mit Borneo und Südchina zusammen. Australien wird dann ein Teil Asiens!“ Mit relativ hoher Sicherheit kommt es, wegen der zunehmenden räumlichen Entfernung Amerikas von Europa und Afrika und durch gewaltige Risse im Atlantik, zur „Geburt“ neuer Bergketten aus dem Erdinneren, die den Ozean teilen werden. Und in 500 Millionen Jahren könnte wieder so ein Superkontinent „Pangäa Ultima“ entstehen. Es sei denn, die Sonne hat durch den Massenverlust schon ihre Energieabstrahlung verloren und die Erde wird wieder zum kalten Gesteinsklumpen. Doch zurück zu Gondwana. Die Angaben über die Kontinententstehung liefern auch die Erklärung für Australiens einzigartige Flora und Fauna. Vor 230 Millionen Jahren (in der Trias) starben durch eine noch unbekannte Katastrophe 90% aller Tier- und Pflanzenarten aus. So war der Weg frei für neue Arten. Allerdings verdichten sich die Vermutungen, dass auch die damalige Katastrophe durch ein oder mehrere Meteoriteneinschläge
ausgelöst wurde. Die Centre- Coup Reaktion dieser Einschläge war ein für uns heute unvorstellbarer Vulkanausbruch im jetzigen Sibirien. Der durch die Eruption vollständig in die Luft und das Wasser infiltrierende Schwefelwasserstoff verbrauchte den gesamten Sauerstoff und beendete so fast alles Leben auf der Erde. Natürlich waren die Australier stolz, als man diesen Primäreinschlag bei einem 25 Kilometer von Port Hedland nördlich im Meer liegender Krater, den Bedout Krater, vermutete. Es wäre wieder eine Besonderheit gewesen, die sich in Down under abgespielt hatte. Aber seit Mai 2006 weiß man relativ sicher, dass der Meteorit in der Antarktis, in Wilkesland, einschlug. Der Krater liegt 1,5 Kilometer unter dem Eis und hat einen Durchmesser von 500 Kilometer. Der dadurch
bedingte Vulkanausbruch war genau auf
dergegenüber liegenden Stelle der Erdkugel. Im
heutigen Sibirien. Die Dinosaurier kamen und gingen. Vögel waren deren
Nachfahren. Pterosaurier und Wasserreptilien starben ebenfalls am Ende des
Mesozoikums Es steht außer Frage, dass der Ursprung der Placentatiere auf der Südhalbkugel zu finden ist. Die ältesten von ihnen, Elefanten, Seekühe und auch Erdferkel, lebten auf Gondwana. Man nannte sie Afrotheria. Die Abspaltung von den anderen Placentatieren kam vor etwa 100 Millionen Jahren. Zu der Zeit, als der Südkontinent Gondwana, zu dem Südamerika, Afrika, Australien, Madagaskar und die Antarktis gehörten, in der Mitte zerbrach. So konnten sich bestimmte Arten ohne genetische Beeinflussung durch andere Spezies, auch nach dem Einschlag des fast 30 Kilometer großen Chicxulub Asteroiden am Golf von Mexiko, der über 90% alles Lebens auf der Erde vor 60 Millionen Jahren auslöschte, nach der neuen Evolution ungestört erhalten und fortpflanzen. Diesem Umstand ist es zu verdanken, dass wir die Relikte der Saurier weltweit gefunden haben. Doch das Schnabeltier, den Ameisenbär, den Koala, den Wompart, das Känguru, den Emu und den, für mich am gefährlichsten aussehenden, tasmanischen Teufel können wir noch heute in ihrer urgeschichtlichen Gestalt sehen.
Die BesiedelungEs scheint gesichert, dass die Wiege der Menschheit im Gebiet des heutigen Kenia liegt. Davon zeugen 1984 gefundene verstreute Menschenknochen in einem 1,6 Millionen Jahre alten Sediment. Australien erreichte die erste Welle der Besiedlung durch den Menschen aus der Gruppe Australopithecus (oder auch Homo erectus) vor etwa 100 Tausend Jahren. Doch darüber herrscht noch heute wissenschaftliche Uneinigkeit. Es waren robuste, gedrungene Typen, 170 cm groß. Sie kamen von Java über eine Landbrücke, aus vielen kleinen Inseln bestehend, die man Sundaland nennt. Zwei mögliche Wege zum australischen Kontinent werden heute wissenschaftlich erörtert. Aber beiden ist gemein, dass die ersten Besiedler acht Mal freies Wasser überqueren mussten. Und das ging nur durch den Bau und die Nutzung von Bambusflößen. Diese erstern Besiedler lebten allerdings nur kleinen Gruppen auf dem roten Kontinent aber „nur“ 6 bis 7 Tausend Jahre. Und wegen der geringen Zahl an „Einwanderern“ sind auch die zurückgelassenen Spuren äußerst spärlich. Für diese Besiedlung könnten die Funde der Rückstände von Pollen und Kohle sprechen. Die Analyse ergab, dass wahrscheinlich bereits vor 120.000 Jahren zumindest im Southern Tableland von NSW und im Lake George Becken Feuer zur Rodung des Landes eingesetzt wurde. Ziemlich mysteriös, wissenschaftlich umstritten und noch ungeklärt. Ist die Geschichte der australischen Besiedlung doch älter, als bisher vermutet? Oder jünger? Starben diese ersten Hominiden in Terra australis beim Ausbruch des Vulkans Mt. Toba auf Sumatra vor 75 Tausend Jahren?
Vor 40 bis 50 Tausend Jahren, viele Wissenschaftler meinen, es war noch früher, folgte ein zweiter Einwanderungsschub mit Booten oder Flößen über den Ozean aus China, den Phillipinen und Indonesien. Das gelang auch deshalb, weil während der Eiszeit der Wasserspiegel der Weltmeere 100 bis 200 Meter niedriger gewesen ist. Es gab also damals sogar eine Landbrücke nach Tasmanien. Auf der gelangten vor 30 bis 40 Tausend Jahren einst die Ureinwohner, von Victoria weiter ziehend, nach dort. Diese bis heute angenommenen neuen Entdecker Australiens, ein graziler Australopitecinus mit einer Größe von 120 bis 150 Zentimeter, waren die Homo sapiens, die direkten Vorfahren der Aborigines. Die Ureinwohner lebten von Fisch, Austern, Muscheln, Früchte, Pflanzen und Tiere. Alles war reichlich vorhanden und reichte zum Leben. Als Nomaden zogen sie durchs Land, fühlten sich als ein Teil der Natur und pflegten ihre Traditionen, ihre Gesetze, die sie in Gesängen und Tänzen überlieferten. Und durch die Annahme der Traumzeit vertieften sie ihre Verbindung und Beziehung zur Umwelt. „Alles ist ein Teil vom Ganzen!“ lautete die oberste Lebensmaxime. Die Berge achteten sie als Götter, in den Höhlen wohnten Geister. Emus waren Himmelsvögel, die beschlossen hatten auf der Erde zu leben und in den fliegenden Füchsen sahen sie von den Göttern bestrafte ehemalige streitsüchtige Menschen.
Es ist durch genetische Untersuchungen gesichert, diese Einwanderungsströme kamen während der letzten Eiszeit, die vor 100.000 Jahren bis vor 18.000 Jahren die Erde beherrschte, über das heutige Neuguinea zur Cape York-Halbinsel. Und gelangten dann weiter durch einen Flusskorridor bis ins Darling-Becken und sogar in die Great Sandy Desert. Von dort aus südwärts konnte Tasmanien, damals eine Halbinsel, erreicht und ebenso wie die Great Victoria Desert besiedelt werden So standen die tasmanischen Aboriginals in einem engen Verwandtschaftsgrad zu den Bewohnern von Neuguinea und den Melanesiern. Victoria soll von den ersten Ureinwohnern mindestens vor 30.000 Jahren erreicht worden sein. Die Funde auf Tasmanien geben Hinweise, dass es wohl schon 5.000 Jahre früher war. Das Visitor Centre von Mildura
informiert genauer über die World Heritage Area der Willandra Lakes. Ein
für Australien kleines Gebiet mit 27.847 Hektar grenzt an dieses
Weltkulturerbe. Der Mungo Nationalpark, in dem sich logischerweise der
Lake Mungo befindet. Dieser wird durch eine 33 Kilometer lange Lunette
(Halbkreis) geschützt. Gebirge ähnliche sandige Erhebungen, entstanden aus
dem Sanddünengürtel des einstigen O In Jahrtausenden haben die unaufhörlichen Westwinde hier ganze Arbeit verrichtet. Ein Schutz, der nun nicht mehr nötig ist, da die gesamte Seenplatte beim Klimawandel vor 25 Tausend Jahren austrocknete. Immerhin ist es schon sehr informativ, dass die drei größten Seen (Lake Mungo, Lake Leaghur und Lake Garnpung) einst große und wasserreiche Seen gewesen sein sollen. Man vermutet, dass hier sogar der Tasmanischer Tiger und der Tasman Teufel lebten. Aber mehr noch. Die eigentliche Sensation sind prähistorische Skelettfunde.
Durch die Untersuchung des Skelettüberreste der ältesten Australierin, der „Mungo Lady“, die man 1968 hier fand, und dem Fund des „Mungo Man“ waren der Beweis erbracht, dass in diesem Areal vor 40.000 Jahren schon Menschen lebten. Das bestätigten auch die Altersbestimmungen der gefundenen Gegenstände. Alles schien in Ordnung. Bis
2001 ein Forscherteam der Universität von Canberra bei erneuten
Untersuchungen per DNA Analyse zu dem Schluss kam: „Der Mungo Man ist über
60.000 Jahre alt!“ Eine echte Sensation, die die bisher geltende „Out of
Africa“ Theorie, nach der alle modernen Menschen von den vor 100 Tausend
Jahren lebenden afrikanischen Vorfahren abstammen, infrage stellte. Und
gleich bekamen die Wissenschaftler, die schon immer von unabhängig
voneinander entstandenen modernen Menschen redeten, Oberwasser. Die
wissenschaftliche Welt geriet in Aufruhr. Für die allmählich polemisch
werdende Diskussion kamen die Ergebnisse von Bowler und Thorne
(Universität Melbourne) wie eine Erlösung. Neue und genauere Untersuchungen mit der Optical Dating Methode bestätigten die erste Altersannahme von 40.000 Jahren bei der „Mungo Lady“, beim „Mungo Man“ und beim Sand an den Fundstellen. Die gefundenen Steinwerkzeuge allerdings sind etwas über 50.000 Jahre alt. Bei diesen Jahresangaben bleibt die Annahme einer Wanderung der ersten Menschen von Afrika, über Europa und Asien nach Amerika und Australien weiterhin nachvollziehbar. Außerdem sprechen die vermuteten damaligen klimatischen Daten für diese erneute Altersbestimmung. Zu dieser Zeit konnte die Natur die ersten Menschen schon reichlich mit Wasser und Nahrung versorgen. Die erste Eroberung von Terra australisEntsprechend dem Erreichen des australischen Festlandes wanderten die Vorfahren der heutigen Ureinwohner von Nord nach Süd. Und diese Wanderung ist teilweise auch noch beweisbar. Allerdings konzentrierten sich Lebensraum und Wanderungen dieser Gruppen, schon wegen der Nahrung, auf die Küstenregionen und sie suchten nur selten das Landesinnere auf.
Hans Peter Willig vermutet, „dass sich erst später einige Gruppen entlang der Flüsse ins Landesinnere aufgemacht haben, um dort an den Inlandseen ihre Lager aufzuschlagen. Der Auslöser für diese Wanderungen mag das Klima gewesen sein. Jedes Mal, wenn sich die Erdatmosphäre erwärmte und dadurch das Eis der Polarkappen und der Gletscher zu schmelzen begann, stieg der Meeresspiegel an und überflutete große Teile der australischen Küsten. Dabei wurden auch Lagerplätze und die Jagd- und Sammelreviere der ersten Australier unter Wasser gesetzt. So ist es denkbar, dass die Menschen im Landesinneren neue Territorien fanden, wo sie allerdings - weit vom Meer entfernt - ihren Lebensstil den neuen Gegebenheiten anpassen mussten.“(www.evolution-mensch.de). Dass es bei den Jahresangaben auf Differenzen von 10.000 Jahren nicht ankommt, liegt wohl in der Sache selbst begründet. Es gibt archäologische Funde, wonach im Nothern Territory, im Arnhem Land, ein Bergkette als Schutz und Lebensraum für einige dieser Hominiden diente. Roter Ocker, der sowohl für Petroglyphen, für die Zeichnung der heiligen Totems und auch zur Körperbemalung diente, und gefundene Steinwerkzeuge, deren Alter auf 56.000 Jahre geschätzt wurde, sind ein ziemlicher Beweis. Nauwalabila und Malakunanja heißen die beiden gefundenen Siedlungsstätten, die, mittlerweile unbestritten, schon vor 60.000 Jahren entstanden sind. Fast sensationell war damals beim Fund der Mungo Lady auch, dass man am Lake Mungo, dem südlichsten See der Willandra Seenkette, eine Feuerbestattungsstätte fand, die ebenfalls auf 40.000 Jahre Alter geschätzt wird. Natürlich die älteste Feuerbestattungsstätte der Welt! Und in Australien gelegen! Folglich ist es nicht verwunderlich, dass der „Mungo Man“ die älteste bekannte Salbenbestattung (anointed burial) erhielt. Ebenfalls Weltrekord! Für Australia!
Auch diese Funde im Südosten von Australien lassen den Schluss zu, dass die ersten Menschen schon einige tausend Jahre vorher in Nord West Australien angekommen sein müssen. Außerdem wurde am Garnpungsee, dem nördlichsten See dieser Seenkette, und auch beim nur 300 Kilometer entfernten Kow Swamp Hominiden von der schon beschriebenen ehemals robusten Form gefunden. Kam es später zu einer genetischen Vermischung von zwei zeitlich und/oder räumlich verschiedenen Einwanderungswellen? Dann aber zeigten die Untersuchungen, dass die Menschen vom Kow Swamp die gleich großen Hirnmassen besaßen, wie die modernen Menschen. Damit war die Diskussion um ein Überleben des Homo erectus in Australien beendet. Wie gesagt, der Mungo NP vermittelt eine Begegnung mit der Urgeschichte der Menschheit. Und vor
45.00 Jahren entstandene Felszeichnungen in Südaustralien, die 37.000
Jahre alten Feuerstätten in Keilor (Victoria) und die gleichaltrigen
Petroglyphen auf der Halbinsel Burrup, nahe Dampier, an der Nordküste
zeigen, wie schnell sich die Gruppen über das Land verteilten. Oder aber,
dass die Besiedlung doch schon früher
begann. Die Petroglyphen, unersetzliche Dokumente der Vergangenheit, sollen übrigen mit Zustimmung der australischen Regierung der Industrie weichen und zerstört werden. Unglaublich!
Aus dieser Zeit stammen auch die von Menschen in den Höhlen von Devils Lair gefundenen, aus Knochen hergestellten Werkzeuge und auch schon Knochenperlen. Was für ein Eldorado für die Archäologen und Paläontologen des Western Australian Museum! Diese Höhlen an der südlichen Westküste von Down Under! Vor 22.000 lebten Ureinwohner unter dem Wentworth Falls in den Blue Mountains. Dort und auch in Malangangarr (Arnhem Land) zeugen gerillte Äxte von den damaligen Versuchen der Bodenbearbeitung. Eine Australia Technologie, die in der Welt ihresgleichen sucht! Aus den tiefen Höhlen unter der Nullarbor Ebene in Koonalda „förderten“ die Ureinwohner schon damals Feuersteine. Und sie hinterließen auffällige geriffelte Muster an den Höhlenwänden. Dies wird von den Wissenschaftlern als ein früher Beweis für die entstandene enge Beziehung der Aboriginal --Gesellschaft zwischen Berufsleben und Kunst gewertet.
Vor 20.000 Jahren war die vollständige Besiedlung, oder bessere Erreichbarkeit, des gesamten australischen Kontinents abgeschlossen. Sogar auf dem Höhepunkt der letzten Eiszeit, als mindestens 10% von Tasmanien vom Eis bedeckt war, wurden Lebensspuren aus der damaligen Zeit zumindest in der Kutikina Höhle (Fraser Cave) am Ost Ufer des Franklin River im SW von Tasmania gefunden. Es ist eine der ergiebigsten archäologischen Fundstätten in ganz Australien. Unbedingt erwähnt werden muß, als Beweis für die komplette Besiedlung, dass auch unwirtlichen Bereiche, wie zum Beispiel Birrigai in den Bergen des ACT, nahe der Wellington Street, von den Ureinwohnern genutzt wurden. Dort befand sich zum Beispiel der Platz des Gesangs und des Tanzes des Ngunnawal Volkes. Und hier stimmt die englische Übersetzung des Ureinwohnernamens mit „Place of laughter“ wirklich. Mit Ende der letzten Eiszeit stiegen die Wasserpegel der Ozeane gewaltig, man spricht von bis zu 200 Meter und mehr, an. Die Landbrücke verschwand unter einer Wasserstrasse, die wir heute als Bass Strait kennen. Die somit isolierten Ureinwohner im heutigen Tasmanien entwickelten deshalb einige Besonderheiten, die sie von den Bewohnern des Festlandes unterschieden. Gehört doch auch Tasmanien zu Gondwana. Und, wie gesagt, bis vor 13.000 Jahren bestand sogar zwischen Australien und der heutigen Insel eine Landbrücke. Die tasmanischen Ureinwohner kannten keine Kleidung. Sie rieben ihren Körper mit Tierfett, rotem Ocker und Holzkohle ein, was einen gewissen Schutz vor der Kälte bot. Manchmal warfen sie sich auch ein Kängurufell lose über die Schulter. Aber feste Unterkünfte gab es nicht. Bei besonders schlechtem Wetter errichteten sie allenfalls Windschirme. Sie waren leidenschaftliche Jäger und ernährten sich vor allem von Kängurus. Auch die Opossums, die meist von den Frauen gefangen wurden, schmeckten ihnen. Nur Fische lehnten die Insulaner strikt ab. Wohl aber tauchten sie nach Muscheln, Krebsen und anderen Schalentieren. Auch hier zeigten die Frauen ihre Geschicklichkeit, denn viele Männer konnten nicht schwimmen und mieden das Wasser.
Eine weitere, und gar nicht so abwegige Erklärung ist, dass der Anstieg des Meeresspiegels ein Überangebot von wohlschmeckenden Abalonen (Meeresschnecken) und Langusten zur Folge hatte, die auch noch einfach zu sammeln waren. Das würde aber nicht die Furcht, mit der die Ureinwohner auf das Fischangebot reagierten, erklären. Die 12.000 Jahre der Isolierung führten dazu, dass diese Tasmanier, außer den Knochennadeln, weiterhin weder Bumerangs, Speerschleudern noch Steinäxte kannten. Auch Hunde gab es nicht. So wussten sie zum Beispiel auch nicht, wie man ein Feuer entzündet. Das Hüten der Flamme war eine wichtige und lebensnotwendige Maßnahme im Verband. Die Ureinwohner gehörten dem Toogee Volk an. Die Isolation, die geringe Population, die weit auseinander lebenden Gruppen und eine geringe Lebenserwartung sind wohl die Hauptgründe für die kulturellen Defizite zu den Ureinwohnern Südaustraliens. Auf dem australischen Festland hatte sich vor 18.000 Jahren die Gras Saat Gut Ernte fest im sozioökonomischen Leben der Ureinwohner integriert. Und in den damaligen Unterkünften finden sich immer mehr Stein- und Knochen- Werkzeuge. Ein beredetes Beispiel dafür sind die Funde am Shaw Creek in der Nähe von Yarramundi (NSW). 69 Kilometer von Sydney CBD zwischen Richmond und den Blue Mountains. Die Steinzeichen von Ubirr entstehen.
Und einigen nunmehr ausgerotteten Tieren, wie dem Tasman Tiger und dem Zaglossus (Langschnabel Igel) werden bleibende Denkmäler gesetzt. Vor 8.00 bis 10.000 Jahren hat sich das heutige Klima in Australien etabliert. Die Landbrücke zwischen Australien und Neu Guinea wird überflutet. So entstanden die Torres Strait Islands. Doch das
wichtigste Ereignis in dieser Zeit ist, dass die man erstmalig die
Erwähnung der großen Regenbogenschlange bei den Völkern der Ureinwohner
nachweisen kann. Hier tritt plötzlich eine Religion ins Rampenlicht der
Geschichte, die heute der längste kontinuierliche Glauben der Welt ist.
So etwa vor 5.000 Jahren bekommt die Küstenlinie Australien ihre heutige Form, wird Rottnest Island endgültig zur Insel und werden die Pazifik Inseln besiedelt. Erstmals taucht der Dingo in Australien auf. Aber er wird nicht zur schlimmsten Bedrohung für die Ureinwohner. Seit dem 13./ 14.Jahrhundert legen immer wieder weiße (oder auch gelbe) Abenteurer oder Handelsschiffe an der Küste Australiens an. Bis auf kleinere Scharmützel ungefährlich für die Ureinwohner. Dann landete am 28.April 1770 James Cook in der Botany Bay. Der Spruch
aus seinem Tagebuch ist historisch: „Durch die Entdeckung von Terra australis sind die Ureinwohner wohl nunmehr das hoffnungsloseste Volk, das ich kenne!“ Und er behielt Recht!
Mythos Traumzeit
Wie die Menschheit sterblich wurde Die vier Elementen Überlieferung Der Mythos der Djanggawul- Schwestern
Weil die Ureinwohner bis 1788 kaum Kontakt zu anderen Völkern hatten, weil sie weit entfernt von einander auf dem riesigen Kontinent lebten, konnten sich Sitten und Gebräuche, sowie weltanschauliche Standpunkte kaum beeinflusst durch gelegentliche Fremdkontakte und lediglich inspiriert durch die Lebensumwelt entwickeln. Eine Ausnahme bildeten dabei die Stämme an der Nordküste, wo schon durch die Nähe zu Indonesien bestimmte Prägungen erfolgten. So erklären sich die im Laufe der Jahrtausende gefundenen und oft von Stamm zu Stamm verschiedenen Deutungen über Naturphänomene, wie Sonne, Mond, Feuer usw. Aber in einem waren sich alle Stämme oder Sippen einig. Nämlich in der Notwendigkeit, die Vergangenheit zu erträumen, um aus der Geschichte der Umstände in der Creation Time zu lernen und den eigenen Standpunkt in und zur Natur zu definieren und zu differenzieren. Denn für die Ureinwohner hatte jedes „Ding“ am erträumten Platz eine solche Geschichte. Obwohl die Aboriginal People gegenüber uns Weißen oft schweigsam oder sogar verschlossen wirken, besitzen sie natürlich, wie wir „Weißen“, die menschliche Fähigkeit des Mitteilungsbedürfnisses. Nur bei ihnen äußert sich dies anders. Sie geben Erträumtes oder von den Vorfahren Überliefertes in Tänzen, spirituellen Gesängen oder rituellen Handlungen weiter. Und immer wieder steht diese gemeinsame Verwandtschaft aller Dinge am Beginn der Welt im Mittelpunkt. Menschen, Tiere, Pflanzen, Bäume Blumen, ja sogar die scheinbar leblosen Steine, alle Existenzen gehen auf eine gemeinsame Zeit zurück. Und aus dieser Gemeinschaft entwickelte sich die Kultur der Ureinwohner. Eine Kultur, die nie die Wurzeln vergaß. Eine Kultur, deren Folgen wie Stammesbildung, Gesetze, unterschiedliche Sprachen, Steinzeichnungen, Tänze und Gesänge usw., stets die verwandtschaftliche Basis aus der Zeit des Wirkens der schöpferischen Ahnen erkennbar macht. So entstand eine durchgehende Kultur bis 1788. Im Weltverständnis der australischen Ureinwohner, der Aboriginals, beginnt alles in unserer sichtbaren Welt in der noch heute zu erträumenden Creation Time, die das Volk der Aranda in Zentralaustralien mit „Altjeringa“ bezeichnet. Aber schon das auch in Zentralaustralien lebende Volk der Walpiri prägte dafür den Begriff „Tjurkurrpa (Tjurkurpa)“. In dieser Traumzeit formten die archetypischen Geistwesen, also die Figuren der Schöpfungsgeschichte, unsere Welt und die Menschen. Denn am Anfang war, und da bietet sich der Vergleich zur Bibel regelrecht an, die Erde „featureless“, also öde und leer. In einigen Legenden wird dem Chaos wenigstens noch Wasser oder ein wellenloser Ozean zugestanden. So wurde die „Traumzeit“ für die Ureinwohner zum Anfang der Welt. Diese Geistwesen, aus der Erde, vom Himmel oder aber aus dem Meer gekommen, erschufen alle Formen von Tieren, die Pflanzen, den Menschen, die Naturphänomene sowie alle unbelebten Objekte. Ihre Existenz wird sichtbar durch ihre formgebenden Reisen bei denen sie Markierungen in die Landschaft setzten. Diese Traumpfade und Reisewege entsprechen den Songlines oder “Yiri”, wie sie bei dem Walpiri Volk heißen. Diese Markierungen können rein spiritueller Natur sein oder aber auch Abdrücke von Körperteilen im Felsen, Fußspuren oder Handabdrücke. Der im Victoria-Flusstal ansässige Yarralin Tribe verehrt zum Beispiel den Geist Walujapi als Traumwesen der schwarzköpfigen Python. Walujapi bewegte sich einst in einer schlangenförmigen Spur entlang einer Klippe und hinterließ einen Abdruck, wo er sich zur Rast legte. Diese beiden Traumzeitzeichen sind heute noch sichtbar. Hier wäre der rechte Zeitpunkt für eine historische Feststellung, die nicht unerheblich für das Verständnis des spirituellen Denkens und Handelns des Indigenous People ist. Dieser Begriff Traumzeit ist eigentlich
falsch! Hier haben Ethnologen und Anthropologen ,denen es bis heute noch nicht gelungen ist, die Sprache der Ureinwohner einwandfrei zu sprechen oder zu deuten, früher Worte missverstanden und falsch interpretiert. Sie hörten einen Begriff des Aranda Volkes, nämlich „altjira rama“. Das bedeutet vereinfacht, die Fähigkeit des jeweiligen Ureinwohners, sich einen bestimmten Ort mit großem persönlichem Bezug, wie im Traum oder einer Vision, vorstellen zu können. „Altjira rama“ wurde aber von den Ureinwohnern auch als „altjiranga“ bezeichnet. Das wiederum erklärt etwas, das von Anfang an bis in alle Ewigkeit vorhanden war und ist. Aus diesen beiden Begriffen machten die britischen Ethnologen Walter Baldwin Spencer und Francis James Gillen den Begriff „altjeringa“, den sie mit „Dreaming (Traum)“ übersetzten. Ein spirituelles Wort aus der Aboriginal Sprache wurde „vermischt“. Besser wäre wohl der Begriff Creation Time gewesen. Eigentlich stehen „altjeringa“ oder „Tjurkurrpa“ (manchmal auch „Palaneri“) für die spirituelle, natürliche und moralische Ordnung des Kosmos. Das beinhaltet natürlich auch die Fähigkeit des Einzelnen zu träumen, mit der Annahme von Sachen, die schon immer da waren. So erklärten die beiden Forscher diese Auffassung mit dem englischen Wort „Dreamtime“. Zu Deutsch „Traumzeit“. Eigentlich ein missbrauchter Begriff, der für alles, was eben früher war, für die Gesänge und spirituellen Tänze, für die Legenden Anwendung fand
Traumpfade (Songlines) sind eine Abfolge von Liedern, die Orientierungspunkte und nützliche Hinweise für die Navigation im Busch erhalten und verbreiten sollen. Diese Lieder beschreiben meist die Erschaffung und die Namensgebung der markanten Landschaftspunkte während der Traumzeit. Die träumenden Geistwesen erschufen und benannten auf ihrer Traumreise durch die Welt Bäume, Felsen, Wasserlöcher, Tiere und Naturphänomenen. Sie gestalten auch die Seele der Ungeborenen und bestimmen das gesellschaftliche Zusammenleben in den Stammesgesetzen und für den Totenkult der Ureinwohner. Durch das Singen der Traumlieder in der richtigen Abfolge konnten die Ureinwohner sich auch auf großen Reisen durch die eintönigen Landschaften Zentral Australiens zurechtfinden. Der ganze Kontinent ist durchzogen von einem System von Traumpfaden. Einige sind nur ein paar Kilometer lang, andere spannen sich durch den Kontinent und über das Stammesgebiet vieler verschiedener Stämme. Diese Stämme sprechen oft einen ganz anderen Dialekt und haben auch verschiedene kulturelle Traditionen. Für diese scheinbar schlafwandlerische Sicherheit, den Weg zu finden, besitzen die Ureinwohner mit großer Wahrscheinlichkeit noch die genetische Prägung, erdmagnetische oder auch universelle Strahlungen aufzunehmen. Wie es auch den Vögeln auf ihren doch oft so langen Flügen zur Orientierung möglich ist, wie wir es bei den Magnet Termiten sehen. Das scheint auch die Ursache eine der Merkwürdigkeiten an den Traumpfaden zu sein Sie überspannen oft Gebiete mit mehreren verschiedenen Sprachen, und werden auch in der jeweiligen Stammessprache gesungen. So kann zwar nur jemand, der alle Sprachen der auf dem Weg liegenden Stämme spricht, den ganzen Traumpfad verstehen. Aber Laufen kann er ihn ob seiner intuitiven Fähigkeit trotzdem! In gewissen Umfang besitzen auch viele Menschen der westlichen Welt noch das Vermögen, sich wie die Ureinwohner an bestimmten Plätzen mit den Seelen der Ehemaligen auszutauschen. Ich denke dabei an die zahllosen stillen Zwiegespräche und Erinnerungen, die viele von uns an den Gräbern der Eltern oder anderer lieber Mitmenschen haben.
In zwei sehr schönen Übersichten hat das Aboriginal Centre Alice Springs, in dem sich Angehörige des Arrernte People künstlerisch, touristisch, aber auch ethnologisch betätigen, die Zusammenhänge der spirituellen Hauptbereiche der Glaubenswelt der Ureinwohner zusammengestellt. Für die Ureinwohner beinhaltet
der Raumbegriff etwas anderes als in den westlichen Kulturen. Durch das
Erfühlen der Energie bestimmter Areale sind die Ureinwohner noch heute in
der Lage die Geschichte der Plätze zu „erträumen“, sich vorzustellen. Und
sie empfinden dabei auch die Handlungen der schöpferischen Ahnen. Wenn es
den scheinbar teilnahmslos herumsitzenden Ureinwohner an einem bestimmten
Ort gelingt, sich in die spirituelle Aura der dortigen Pflanzen oder Tiere
zu versetzten, erfühlt er deren geistigen Gehalt, empfindet er deren
Geschichte, auch in der Beziehung zum jeweiligen Platz. Nicht Zeit und
Raum verbinden nach Meinung der Ureinwohner die Dinge miteinander. Sondern
es ist die „traumzeitliche Bedeutung im energetischen Netzwerk der
schöpferischen Natur“. Schon die sich gegenseitig beeinflussenden Dreieckbeziehungen Human/ Physical/ Sacred World vergegenwärtigen, welche riesigen weltumspannenden Netzwerke unveränderlicher gegenseitiger Beziehungen zwischen allen Dingen die schöpferischen Ahnen einst geschaffen haben. Wie ein Pendel begleiten ihre Taten die einzelnen Welten.
Und die Unterteilung und Differenzierung zeigt die gegenseitigen Beeinflussungen. Die Human World, das sind die Verhaltensmuster untereinander und zur Natur, die Fähigkeiten, sich Veränderungen anzupassen, das Leben in der menschlichen Gemeinschaft, die Zeremonien (Tanz, Gesang, Malerei, Erzählungen und die Weitergabe des Wissens) und die Regeln für familiäres Verhalten im Stamm, in der Sippe, in der Totemgruppe und in der Familie. Totems (oder Dreamings) sind ein Weg zur Einordnung des Universums und der in ihm lebenden Arten. In der Traumzeit waren die menschlichen Wesen eins mit ihren Träumen. Die Menschheit war eins mit Träumen, zu denen auch Yams, besondere Fische, Ameisen, Eulen, Wasserlilien, Puten, Emus, Wallabies, Kängurus usw. gehörten. Diese Totemwesen hatten besonders kreative Ahnen, die oft an bestimmten Plätzen oder von Energie erfüllten Orten herunter stiegen. Zu diesen Djang-, Thalu- oder Wunggud Plätze gingen diejenigen Wesen, die zu einem bestimmten Totem oder zu einem Traum gehörten, um ihre Lebenskraft zu aktivieren. Lebenskraft, die sicher stellte, dass bestimmte Spezies eines gemeinsamen Totems (oder eines Traumes) und die Personen weiterhin eng miteinander verbunden bleiben. So gaben sie sich immer wieder die Aufgabe der Erhaltung der Kontinuität der Totem Spezies. So lautet das überlieferte Gesetz der Traumzeit Ahnen, das bei vielen Völkern, auch von dem Walpiri People, Tjurkurrpa genannt wird. Diese Verhaltensregeln bestimmen auch, wer für das Eigentum und den Schutz des Lebensraumes und der oben genannten heiligen Plätze verantwortlich ist, wer als Nguraritja (Vormund) , wie ihn die Ureinwohner Zentralaustraliens zum Beispiel für den heiligen Berg Uluru nennen, fungieren darf und welche Aufgaben derjenige hat.. Da war es für die westliche Welt doch bedeutend einfacher, den Mythos über die „Traumzeit eines letzten Steinzeitvolkes“, das noch in der Natur mit der Natur in Harmonie lebt, zu entwickeln. Die Physical World ist in diesem Dreieck der Himmel (Sonne, Mond und Sterne), die Tiere und das Land. Hier beim Land (Bäume, Wasserlöcher, Berge) gibt es auch den Begriff „Sites“. Das sind eben jene heiligen Plätze oder der Lebensraum der Ureinwohner. Unbedingt steht das Land im Mittelpunkt der Physical World. Und in sechs Postulaten sagt das Arrerente People alles Wichtige, was die Ureinwohner zum Land, als dessen Teil sie sich betrachten, zu sagen haben. 1. Our land our life! -
(Unser
Land ist unser Leben) 2. We don't own the land, the
land owns us! - (Wir brauchen das Land nicht erst zu erwerben. Das Land gehört bereits uns) 3. The Land is my mother, my
mother is the land! - (Das Land ist meine Mutter, meine Mutter ist das Land) 4. Land is the starting point
to where it all began. It is like picking up a piece of dirt and saying
this is where I started and this is where I will go!
- (Das Land ist der Ausgangspunkt, von dem alles begann. Es ist so als ob Du einen Schmutzpartikel aufhebst und sagst „Das ist es, von wo ich komme, und das ist es, wo ich hin will) 5. The land is our food, our
culture, our spirit and identity! - (Das Land ist unsere Nahrung, unsere Kultur, unser spirituelles Denken und unsere Identität) 6. We don't have boundaries like fences, as farmers do. We have spiritual connections! - (Wir benötigen keine Grenzen wie die Farmer. Wir haben die spirituellen Verbindungen). Bei der Beschäftigung mit der Sacred World der Ureinwohner werden diejenigen Europäer, die sich mit der traditionellen chinesischen Akupunktur und mit den Erkenntnissen des hinduistischen Tantrismus, mit der Lehre der sieben Chakras ernsthaft beschäftigen, viel lernen. Sie verstehen zumindest die Ansätze der Denkweisen, der inspirierten Handlungen der Ureinwohner Australiens. Die Sacred World, das ist die Welt, die schon immer war, immer ist und immer sein wird. Eine Welt, die außerhalb der Zeit existiert. Ohne Vergangenheit und ohne Zukunft ist sie ewig, wie auch die Gesetze, die sie vermittelt. Die Unabänderlichkeit dieser gesetzlichen Gegebenheiten sind der Grund, warum Konzepte wie Raum und Zeit, Geist und Materie, die in westlichen Zivilisation festgelegte Realitäten sind und uneingeschränkte Gültigkeit haben, auf das Weltbild der Ureinwohner nicht angewandt werden können. Das ist der Grund, warum sich ihre Kultur bis heute weitestgehend dem Zugriff der modernen Zivilisation entziehen konnte. Zur Sacred World gehören auch die Prozeduren der Bestrafungen derjenigen, die gegen diese Gesetze verstoßen. Wenn zum Beispiel das Land, über das einer Person Aufsicht– und Verwaltungspflichten gegeben wurde, zerstört oder beschädigt wird, dann soll diese Person erkranken und sterben. Nicht auszudenken welche Folgen diese in der Sacred World der Ureinwohner festgeschriebenen Prinzipien der Bestrafung für die Regierungen unserer „Demokratien“ Welt hätten! Die ständig zu intensivierende vorausschauende Sorge um die Erhaltung des Landes, Legenden über die Schöpfung, über den Wechsel von Regeln durch außerirdische Boten, aber auch über Zerstörung und Vernichtung gehören ebenfalls in den Bereich Sacred World. Wenn man sich das detaillierte obige Schema anschaut, so findet man in der Mitte der drei Welten die Tracks. Alle drei Welten stehen in Verbindung mit ihnen. Die Tracks oder Traumpfade oder Songlines, über die noch zu sprechen sein wird, symbolisieren die Wege der schöpferischen Ahnen über das Land. Sie dokumentieren und erhalten die Taten der Ancestors in Liedern, Tänzen, Stories und ab und zu auch in Felsmalereien.
Das Weltbild der australischen Ureinwohner hat eine Tradition, die von einigen Wissenschaftlern auf 500.000 Jahre geschätzt wird. Auch zu dieser Aussage gibt es berechtigte Zweifel, die sich schon aus den genannten Naturkatastrophen begründen. Einige Wissenschaftler sind der Meinung, dass der Begriff Parallelzeit (und nicht Vorzeit) besser gewählt wäre. Trotzdem verbinden die Ureinwohner mit ihren Vorstellungen von der Entstehung der Welt völlig andere Inhalte, als viele Europäer da hinein deuten. Im Philognosie Team hat W.H. Müller unter Bezug auf das Buch von Robert Landlov „Am Anfang war der Traum“ sehr übersichtlich diese Problematik dargestellt. "Der Same träumt den Baum", lautet ein wichtiger Leitsatz der Ureinwohner. Wie sich aus einem Samen ein Stamm, die Äste und das Laubwerk entwickeln, so geht ein Mensch aus der Natur hervor. Das Leben des Aborigines ist von Geburt bis zum Tod eine einzige Initiation (hier: Einführung in die Gemeinschaft! D.T.). Diese erfolgt stufenweise, wobei es immer das Ziel ist, den inneren Horizont zu erweitern. Je weiter das Innere des Menschen expandiert, je mehr seine Schau der Dinge zunimmt, desto intensiver erfährt er die Traumzeit. Diese Traumzeit nennen die Aboriginals mit besonderer Betonung auch die Welt der Schöpferischen Ahnen. Es ist die Realität der unsichtbaren Kräfte der Natur, die mit dem Sichtbaren verwoben sind. Diese unsichtbaren Kräfte der Natur sind es, die sich im Rhythmus von Leben, Wachsen und Vergehen manifestieren. Während beispielsweise der buddhistische Mönch versucht, der Welt des Leidens durch Abgeschiedenheit und Meditation zu entkommen, steht der Aboriginal fest im Leben und akzeptiert Schmerz und Leiden, Ekstase und Sexualität als den einzig begehbaren Weg in die Welt der Traumzeit. Insofern weist das Weltbild des Aboriginal People Parallelen zum Tantrismus und Hinduismus auf. Die Aboriginals benennen weitere drei Welten, die für ihr Kulturverständnis unverzichtbar sind: Die Welt des Ungeborenen, die des Lebendigen und die Welt der Toten. „Die Realität setzt sich aus diesen miteinander verwobenen Welten, bzw. ihrer beständigen Interaktion, zusammen. Die weiblichen und männlichen Energien werden im Hinblick auf diese weltgestaltende Interaktion "sozial", "persönlich" und "rituell" genutzt, um mit der Realität der Traumzeit im Einklang zu leben. Das Leben in der Aboriginal- Gesellschaft, die keine Hierarchien kennt, ist mit einer Initiation vergleichbar, wobei die Rollen der Geschlechter überaus wichtig sind.“ Diese drei Welten sind also miteinander verwoben und bedingen einander. Dabei spielt die Grundregel, dass nach Auffassung des Aboriginals People die Frau von der Natur geboren wird, während der Mann von der Kultur geformt werden muß, eine wichtige Rolle. Die Legenden werden seit 40.000 Jahren mündlich weiter gegeben. Sie erzählen auch von der Erschaffung des Landes Australien, aus der Sicht der Ureinwohner. Sie beinhalten, wie gesagt Orientierungshilfen bei den Wegen über das Land. Aber sie enthalten auch den gesamten Kodex der Prinzipien des menschlichen Zusammenlebens. Und die Sanktionen, die bei Verstößen zur Anwendung kommen. Es scheint mir dabei sehr interessant, dass es bei den Ureinwohnern keinen Gott gibt. Immer nur das Land ist das zentrale Thema. Folglich gibt es auch keine infrage Stellung der Traumzeit. Das unterscheidet das Aboriginal People zum Beispiel vom Christentum, bei dem es ja schon beim Fakt der Auferstehung Zweifler gibt. Ein weiters. Alle Traumzeiten, oder besser noch alle Traumzeitpfade sind miteinander verknüpft. Ich finde den von Bruce Chatwin geprägten Begriff „Songlines“ für diese Traumzeitpfade sehr treffend. Sie sollen verdeutlichen, dass niemand das gesamte Wissen der Traumzeit besitzen kann und die Einzelwissen in den periodischen spirituellen Sitzungen zusammengefügt werden. Dabei differenzieren die Ureinwohner dieses Wissen. Als Beispiel möge genügen, dass das Wissen der Frauen den Männern nicht zugänglich ist. Und umgekehrt. Natürlich gibt es im Volk herausragende Persönlichkeiten, wie Stammesführer oder Medizinmänner, die befugt sind, an bestimmten spirituellen Plätzen ihr Wissen durch die Geister zu erweitern. Deshalb ist zum Beispiel das Besteigen des Uluru durch den Touristen für die Ureinwohner ein schwerer Tabu Bruch, da nur auserwählte Mitglieder ihrer Gemeinschaft, die Anangu, den Gipfel besteigen dürfen. Als ein besonderer, uns völlig unbekannter Ausdruck der Traumzeit gilt der Totemismus: Jede Person des Stammes ist Träger eines Totems, einer Totemfigur: Sie legen dem Träger bestimmte Pflichten auf. Wenn z.B. das Totem ein Tier ist, sagen wir ein Känguru, dann wird es der Betreffende nicht jagen oder essen. Er wird niemanden heiraten, der dieses Totem hat, auch wenn anderweitige Voraussetzungen erfüllt sind. Totems schaffen Verbindungen, die über die Verwandtschaft hinausgehen.“ Für die zwischenmenschlichen Beziehungen wurde so ein Tabu geschaffen, das Hochzeiten unter Verwandten unter Strafe stellte. Eine aus heutiger Sicht genetisch äußerst weitsichtige Regelung. Aber auch darüber werde ich in den Abschnitten über das Leben der Ureinwohner miteinander noch Genaueres erzählen. Die vier heiligen FarbenRot, schwarz, gelb und weiß sind die heiligen Farben, welche den Ureinwohnern neben anderen Dingen in der Traumzeit gegeben wurde. Sie repräsentieren die vier Elemente. Schwarz ist die Erde, aber mehr ist es wohl die Markierung der Reste der Lagerfeuer, an denen die Vorfahren lagerten, und so steht die Farbe auch für Djang, der machtvollen Energie, die in den heiligen Plätzen der Erde steckt. Gelb steht für die Flüssigkeit, das Wasser und für die Markierungen auf dem Rücken der großen Schlangen Ahnen. Weiß steht für den Himmel, die Luft und die Sterne, und symbolisiert jene Vorfahren, die nach getaner Arbeit in den Himmel gestiegen sind, von wo sie als Sterne hinunter winken. Die heilige Farbe OckerRot Ocker (Wiltja), das man zum Malen heiliger Totemzeichen verwendet, wird von den Ureinwohnern als heiligste aller Farben angesehen. In Mittelaustralien hält man diese Farbe für die blutigen Tropfen aus dem Hals eines Hundes (Siehe Seite 418). Roter Ocker wird noch heute für eine heilige und Kraft vermittelnde Farbe gehalten. Man konnte durch das Auftragen von Ocker auf die Haut die magnetische Energie der Erde besser wahrnehmen. Red Ochre wird häufig bei heiligen Zeremonien verwendet. Im Gegensatz dazu gibt es noch den weißen Ocker, der auch bei allgemeinen, allen zugänglichen Zeremonien zur Anwendung kam. Rot, das ist im Arnhemland auch eine Farbe der Duwa Moiety. Jedes Lebewesen, jedes Ding, ob geologische Formation oder auch Pflanze, eigentlich alles, gehört nach Moiety Auffassung einer der sich gegenseitig ergänzenden Hälften an. Das Binini People im Arnhemland zum Beispiel verbindet mit der Duwa Moiety die Farben Rot und Schwarz. Dagegen sind die Farben der Yirritja Moiety Gelb und Weiß. Über die Bedeutung der Moieties im Stammesleben werde ich im Kapitel „Die Hochzeiten beim Aboriginal People“ ausführlicher schreiben. Die Ureinwohner, denen höchst wahrscheinlich noch das Vermögen angeboren ist, mit dem sie magnetische Einflussfelder (gleich woher) wahrnehmen können, haben sehr bald gemerkt, dass der erzhaltige Ocker, diese Fähigkeiten sehr verstärkt. Zumal sie an die wechselseitigen Verbindungen aus der Traumzeit zwischen den magnetischen Erdadern und den menschlichen Sinnen glauben. So erklärt sich für manche Wissenschaftler auch der unglaublich Orientierungssinn der Ureinwohner, über 1000 Kilometer punktgenau Songlines zu laufen, die sie vorher nicht kannten. Deshalb trinken die Tanzenden bei manchen spirituellen Sitzungen, bei Initiationszeremonien Menschenblut, weil so glaubhaft eine Verbindung zwischen dem Tänzer und der unsichtbaren Energiewelt geschaltet wird. Es ist phantastisch, fast unfassbar! Intuitiv haben die Ureinwohner für die der „tote Ocker“ ein Lehm darstellt, der mit Blut vermischt ist, herausgefunden, dass sowohl im Blut wie auch im Ocker Eisenoxidverbindungen vorkommen, die bewirken, dass sich Zellen und Moleküle parallel zu den Feldlinien umgebender Magnetfelder ausrichten. Natürlich haben die Ureinwohner nicht diese physikalische Erklärung geben können. Aber sie nutzten den Effekt. Die Ureinwohner und das LandEs gibt zwei Traumzeitgeschichten, die so eine Art „Basislegenden“ darstellen. Wenn man diese Überlieferungen gelesen hat, kann man das Verhalten der Ureinwohner bei der Landung der First Fleet 1788 verstehen. Denn diese Landung war durch die Legende bereits prophezeit. Aber eben ganz anders. Die ErdeDie Erde ist für viele Stämme des Aboriginals People der Grundlage allen Lebens. Einige, wie zum Beispiel das Nyungar People, sehen in ihr die „große Mutter“ und die Erdoberfläche ist ihre Haut. Jede Bohrung oder Grabung stellt folglich eine Hautverletzung der Mutter dar. Bill Neidjie bringt die Sache auf den Punkt, wenn er sagt „Die Erde ist genau wie dein Vater, dein Bruder oder deine Mutter. Wenn dich am Ende dein Weg zur Erde führt, dann ist es so, als ob du nach Hause kommst. Deine Knochen weilen in ihr, weil dein Blut das Blut der Erde ist.“ Natürlich unterteilen die Ureinwohner auch die Erde in männliche und weibliche Gebiete. Und die werden respektiert. Niemals würden es Männer wagen, die weiblichen Areale zu betreten. Und umgekehrt ist es ebenso. Zusammenfassend kann man wohl sagen, dass eigentlich die gesamte Aboriginal Mythologie auf der Erde basiert. Viele der Schöpferwesen sind aus ihr hervor gegangen, haben mit der Gestaltung der Landschaft lebende Traumzeitgeschichten geschrieben und wurden manchmal auch wieder ein Teil von ihr. So sind in der Tat Erde und Menschheit so sehr fest und eng verbunden. Wenn das Land einer Person, über das er Aufsichts- und Verwaltungspflichten hat, zerstört oder beschädigt wird, dann wird auch diese Person krank und stirbt. Kommentar: Wie schon gesaht, wenn sich diese Traumzeit Weissagung bewahrheiten würde, könnten wir wohl bald überall auf der Welt neue Politiker suchen. Die ProphezeiungEs gibt eine Traumzeit-Geschichte, die weit zurückreicht. Sie erzählt von den Weisen oder den Stammesheilenden von einst. Früher vermochten sie in ihre besonderen Kristalle hineinzugehen. Sie sahen Bilder der Vergangenheit, Bilder von Dingen, die gerade jetzt, weit weg geschehen, und auch Bilder der Zukunft. Einige der Bilder der Zukunft erfüllten die Alten mit Furcht. Sie sahen eine Zeit, in der die Farbe der schwarzen Menschen blasser und blasser zu werden schien. Wie die der Steine! Bis überall in Australien nur noch die weißen Gesichter von den Geistern der Toten zu sehen waren. Die Angehörigen der Aboriginal People verbinden weiße Haut mit einem Toten, da wir alle nach dem Tod zu weißen Skeletten werden. Als zum ersten Mal Weiße nach Australien kamen, vermeinten die „Schwarzen“ die Geister von toten Menschen zu sehen, die in ihr altes Land zurückkehrten. Also hießen sie die Ankommenden willkommen, bewirteten sie und halfen ihnen. Immer in der Gewissheit, dass die Geister einst wieder zurück in das Reich der Toten gehen würden. Denn ein Traumzeit-Gesetz besagt, dass die Lebenden Zeremonien abhalten sollen und den Geistern der Toten helfen müssen, den Weg in den Himmel zu finden, wo die toten Geister leben. Die Zeremonien brachten jedoch diese weißgesichtigen Menschen nicht ins Reich des Todes; vielmehr haben die Weißen das Reich des Todes auf die Erde der Ureinwohner gebracht. Der Tod und das LebenÜberhaupt ist der Tod in den Überlieferungen der Ureinwohner eine Unumgänglichkeit, damit neues Leben entstehen kann. In dem Maß, wie die Frauen die Macht des Lebens und des Lebengebens darstellen, verkörpern die Männer die Macht des Todes und des Tötens. Das Leben des einen Lebewesens ist abhängig vom Tod des anderen. Ohne den Tod, der das Leben in die Schranken weist, würde es unkontrolliert wuchern. Deswegen wird das Männliche als endend und eingrenzend verstanden. Es sind die Männer eines Clans, die bei Totenriten die herausragende Rolle spielen, da ihre Energien mit den Welten der Toten und der Ungeborenen in Verbindung stehen. Aufgrund der Verbindung des Männlichen mit dem Toten glauben die Ureinwohner, dass nach einer erfolgreichen Befruchtung der Frau das ungeformte Leben in der Welt des Ungeborenen zunächst in Kontakt mit dem Männlichen tritt. Und über diesen Kontakt wird es danach im Körper der Frau endgültig substantiell. Das Kind im Mutterleib empfindet der Mann zunächst als ein "Geistkind“. Deshalb darf er auch nicht bei der Geburt anwesend sein, da das Geben von Leben die Domäne der Frau ist. Erst mit dem Übergang des Knaben zum Mann, ein „einschneidendes Erlebnis“ im wahrsten Sinne des Wortes, wird er der Geborgenheit der Mutter entrissen. Der Ritus des „Männer Machens“ führt zu einer neuen Form der Angst. Der Knabe verliert sein Angst vor der Trennung der Mutter und hat, wiedererweckt als Mann, nunmehr die den Männern der Ureinwohner gegebene Angst vor dem Tod. Es ist ein Ziel vieler spiritueller Sitzungen, den vielleicht sogar unbewussten Neid des Mannes auf die Gebärfähigkeit der Frau in traumzeitharmonische Bahnen zu lenken. Doch war am Anfang der Schaffung der Arten schon auch deren leibliche Unsterblichkeit definiert. Dass die Ureinwohner jedem Lebewesen eine sterbliche und eine unsterbliche Seele zuordnen ist ein Übriges. Es mußte also, um dem Ist - Zustand Rechnung zu tragen, die Sterblichkeit über die Erde kommen. Und dazu passt natürlich am Besten eine Traumzeitlegende. Das Ende der TraumzeitAuf der Insel Impanali, die eventuell Melville Island gewesen ist, lebte Purukupali, der der erste Mensch auf der Welt gewesen sein soll. Eines Tages besuchte er eine der Wohnstätten der Seelenkinder Pitpitui (Pitiopituis). Er nahm sie mit sich, brachte sie zu seinen Schwestern. Nun hatten auch sie Kinder. Und Kinder waren in dieser Zeit wichtiger als alles andere, denn die Insel mußte bevölkert werden. Murupiangkala hatte eine Tochter, die Tikumbuna hieß und mit Wilndu verheiratet war. Diese wiederum gebar zwei Töchter und einen Sohn Tukimbini, der später Waia heiratete. Die Tochter der beiden war Bima. Und diese Bima wurde dann später die Frau von Purukupali, dem Sohn (Bruder?) der Allmutter Mudungkala. Weiterhin brachte Purukupali Seelenkinder auf die Insel. Nun übergab er sie der Obhut von Bima, die sie auf die Frauen der Insel verteilte. Schließlich gebar auch Bima einen Knaben. Er wurde Djinini genannt. Purukupali liebte seinen Sohn über alles. Wenn Bima auf Nahrungssuche ging mußte sie ihn mitnehmen und beaufsichtigen. Und am Ende des Tages brachte sie ihn mit den gesammelten Nahrungsmitteln wieder mit zurück, zu seinem Vater. Aber da lebte auf Impanali auch ein lediger Mann, der Japara hieß. Japara versuchte immer wieder, Bima zu überreden, sie solle ihr Kind im Schatten eines Baumes schlafen lassen und mit ihm in den Wald gehen.Und an einem besonders heißen Tag ging sie mit ihm in den Wald. Der Schatten wanderte mit dem Lauf der Sonne. Und als sie zurück kam lag ihr Sohn tot in der heißen Sonne. Die Wut und die Trauer von Purukupali kannten keine Grenzen. Er schlug seine Frau mit seinem Wurfstock kräftig auf den Kopf und jagte sie anschließend durch den Wald, während er dabei alle Lebewesen auf der Welt verfluchte. „Weil mein Sohn gestorben ist“ sagte er, „soll die gesamte Schöpfung beendet sein und sterben. Wer einmal tot ist, wird nie wieder zum Leben erweckt werden können.“ Dagegen protestierte Japara. Und er bot ihm an, seinen Sohn innerhalb von drei Tagen wieder zum Leben zu erwecken. Statt aber darüber froh zu sein griff Purukupali Japara an. Dieser verteidigte sich und beide wurden verwundet. Purukupali nahm den Körper seines toten Sohnes, den Bima inzwischen in Rindenschalen eingehüllt hatte, und ging mit ihm rückwärts ins Meer. Dabei sagte er „Ihr alle werdet mir folgen. So wie ich sterbe werdet auch ihr sterben". An der Stelle, wo er das Meer betreten hatte, bildet sich ein starker Wasserwirbel. Der Strudel blieb so extrem, dass kein Kanu je über ihn fahren konnte. Als Japara sah, was nunmehr geschehen war, verwandelte er sich in den Mond. Mit dem Kommen des Todes in die Welt war das Ende der Traumzeit gekommen. Ein Ende das bis heute währt. Und es bleibt unwidersprochen, dass die Ureinwohner mit Recht die kreative Epoche dieser Traumzeit schon gefühlsmäßig als eine Art metaphysischen Zeitabschnitt betrachten und erklären. Davon zeugen die vielen Traumzeitlegenden, die noch heute gehüteten Djang Plätze und die Fähigkeiten vieler Ureinwohner sich in die zeitlose Traumzeit, wo alle Dinge erschaffen wurden und auch weiterhin geschaffen werden, zu versetzten. So ist die Legende vom Ende der Traumzeit lediglich Ausdruck einer auf die Realität des Alltags bezogenen Interpretation des Ist- Zustands. Wie die Menschheit sterblich wurdeObwohl allen Ureinwohnern mit den Zeremonien immer wieder erklärt wird, dass ihr Geist unsterblich sei, wird der Tod, wie auch in der westlichen Welt, als Katastrophe und Krise empfunden. Zumal die Aboriginals People meinen, dass es nur ganz wenige Todesfälle gibt, die eine natürliche Ursachen haben. Der Tod kann eine Vergeltung für eine Verfehlung gleich welcher Art sein. Und bedingen kann diesen sogar der Geist eines Menschen, der länger noch am gewohnten Ort verweilen darf und Ärger veranlasst. Die Aranda bekräftigen dies, weil ein vorher gehender Mord oft die Ursache für den folgenden Tod war. Man erzählt sich, dass einst in der Traumzeit die Brachvögel (Curlews) entstanden sind. Und das kam so. Eine größere Gruppe Frauen ging zu einem bestimmten Ort. Ihre Männer sollten nach erst nach geraumer Zeit ihnen folgen. Eine Forderung, die die Männer auch einhielten. Bis auf einen überaus neugierigen Mann. Er tauchte zu einem unpassenden Moment auf, da er den Frauen sehr eng gefolgt war. Deshalb töteten ihn die Frauen mit einem magischen Knochen. Nachdem sie ihn begraben hatten begannen die Frauen um sein Grab zu tanzen. Und langsam brach die Erdkruste auf. Dies sehend flog ein Magpie (Elster) in die Höhe und warf nach ihm mit einem Speer. Dann trampelte sie ihn zurück in den Boden. Die nunmehr trauernden und leidgeprüften Frauen flogen als Brachvögel davon. So verlor die Menschheit die Chance auf Unsterblichkeit. Seitdem verbindet sich das Auftauchen eines Brachvogels in Australien mit Tod oder Trauer. Und das bestätigt auch ihr traurig weinerlicher Ruf. Bei dem Murinbata People war es die Krähe, die der Menschheit die Chance auf eine Rückkehr von den Toden raubte. Einst wollte der Krebs den anderen Lebewesen zeigen, wie man das Leben durch den Wechsel der „Außenschale“ oder des Sarges erneuern kann. Der Krähe dauerte das aber zu lange. So pickte sie dem Krebs beide Augen aus und dieser fiel tot um. Wahrscheinlich ist das Tiwi People das einzige Volk in Australien, das bei der Beerdigung seiner Toten eine bestimmte Zeremonie, nämlich die Pukamani Funeral Ceremony, durchführt. Dazu werden eine Reihe von Stöcken oder Pfählen in den Boden gesteckt. Diese Pfosten (Poles) sind dekorierte und geschnitzte Stöcke, welch nach der Zeremonie dort belassen werden. Bis sie vermodern. Es gibt eine Vielzahl von Muster oder Design, die man benutzt. Die Form der Pfähle stellen stilisierte Skulpturen dar. Von Gabeln, dem Hauptast eines Baumes, über die Brüste einer Frau, die Felsen an der Küste bis zu Fenster oder Türen. Es ist alles vorhanden. Und der Phantasie werden keine Grenzen gesetzt. Die Motive, als Stücke aus dem Pfahl geschnitzt und geschnitten, sind auch Symbole, die man auf die Pfähle malt und die sich auf die Landschaft der Insel, aber auch auf viele andere Dinge der täglichen Umgebung aus Flora und Fauna beziehen. Manchmal hat der Pfahl sogar die Form eines Menschen. Dieser wird dann immer an die Kopfseite des Grabes platziert. Das geschieht, damit die Seele, wenn sie das Grab verlässt, die Skulptur sehen soll. Sie denkt dann, dass hier ein Lebewesen steht. Folglich wird sie aufhören zu sprechen, sagt noch einen Abschiedsgruß und geht anschließend ihren vorgeschriebenen Weg. Die Pukamani BeerdigungDie Trauerfeier zur Pukamani Beerdigung besteht aus einer festgelegten Reihe von Zeremonien und Handlungen. Alle gehen sie auf den Ahnen Helder Purukupali zurück, der einst den Tod auf die Welt brachte als sein Sohn Djinini starb. Als damals Tukimbini (Tukumbini), ein Verwandter, davon hörte schickt er einen Nachrichtenstab zu Talinini vom Honey People auf Bathurst Island. Und er ernannte ihn zum Zeremonienmeister der Beerdigungs Rituale. Alle diejenigen, die in der Nähe lebten, berief er zu dessen Gehilfen. So war es ihre Pflicht, bestimmte Beerdigungspfähle, die ein wichtiges Merkmal der Zeremonie darstellen, zu schnitzen, sie einzusetzen und auch zu bemalen. Die großen zeremoniellen Körbe mussten geflochten werden, die speziellen Pukamani Speere wurden hergestellt. Das war genauso so wichtig wie die Reinigung des Beerdigungsplatzes nahe der Stelle, wo Purukupali einst ins Meer sprang und ertrank. Natürlich brauchte keine Grabstelle gereinigt und vorbereitet werden, wenn es keinen toten Körper gab. Der Gruppe, die für die Pfahlbeschneidung verantwortlich war, setzte sich in der Zeit, wo alle noch eng miteinander verwandt waren, aus unterschiedlichen Wesen und Dingen zusammen. Frisches Wasser, Feuer, Honey – Eater, Sägefisch, Moskito, Hai und auch Mullet Männer. Mullet ist ein damals viel gefangener Fisch, den man heute noch als Felszeichnung in der Anbangbang Gallery im Kakadu NP sehen kann. Was für eine unterschiedliche Begräbnismannschaft! Und welch eindrucksvoller Beweis, wie in der Traumzeit die Dinge und Lebewesen fliesend ineinander übergingen. Zwei Schildkröten Frauen stellten die großen Körbe her. Der Korb, den die Honey Eater Frau herstellte, wurde von zwei Honey Männern dekoriert. Neben den Arbeitsgruppen, die an ihren gegeben Aufgaben arbeiteten, schickte Talinini speziell geschnitzte Nachrichtenstäbe an die verschiedenen Stämme des Aboriginals People auf Melville Island und auf Bathurst Island. Sie hatten sich an bestimmten Plätzen zu versammeln. Dann gingen sie zu Tapararimi, wo die Trauerfeier stattfinden sollte. Auf den Weg dorthin hatten sie die vorläufigen Ilania Zeremonien durchzuführen. Das sind feierliche Riten im Umgang mit dem Gedenken an die Vorfahren, die dann in die eigentliche Begräbniszeremonie übergingen. Andere Gruppen der Ureinwohner versammelten sich auf Rulijunga, wo sie eine andere vorbereitende Ilania Zeremonie begannen und dann zum Begräbnisplatz gingen. Nach einem feierlichen „Scheingefecht“ zwischen den Besuchern und den Arbeitern, die als Geister der Toten, als Mopaditis, gesehen wurden, begann die eigentliche Begräbniszeremonie auf dem vorbereiteten Platz, wo man bereits fünf Pukamani Pfähle errichtet hatte. Jeder der Teilnehmer schmückte sich nun auch selbst. Männer und Frauen gingen zu dem Grab. Das Ende dieser ersten Trauerfeier steht symbolisch für das Ende der Traumzeit. Die mythischen oder Traumzeitwesen gingen entweder zurück zu ihren Heimstätten, wie zum Beispiel in den Himmel, oder sie verwandelten sich selbst in verschiedene Fische, Reptilien, Himmelkörper oder auch heute unbelebte Objekte. So wurde dies erste Pukamani Trauerfeier mehr als nur eine letzte Ehre für Punukupali (Purukupali). Es war ein letzter Dienst für das Ende der Traumzeit Periode und der Beginn eines neuen Zeitalters, in das aber, immer gegenwärtig, die Taten der schöpferischen Ahnen wie ein Pendel mit hinein schwangen. Die vier Elementen ÜberlieferungDie Ureinwohner haben, beeinflusst durch ihre Mythologie, eine sehr interessante Auffassung über die Elemente, die ihr Dasein bestimmen. Natürlich begründet sich alles auf das Mutterelement Erde. Daneben gibt es noch drei weitere unabdingbare Elemente, deren Ursprünge direkt oder indirekt aber mit der Erde zusammenhängen. Aus dieser Erde wurde einst Wasser freigesetzt. Dem entnahmen die Geister das Feuer. Und aus dem aufsteigenden Rauch des Feuers entstand die Luft. Die bei den Ureinwohnern immer wieder anzutreffende Differenzierung in männliche oder weibliche Aspekte finden wir auch bei den vier Elementen. Erde und Wasser sind weibliche, Feuer und Luft männliche Elemente. In vielen der Legenden der Ureinwohner spielen diese Elemente eine wichtige Rolle. Dabei sehen die Ureinwohner in der Erde das erste und wichtigste Element, das aber erst aus dem Wasser befreit werden muß. Demzufolge ist für sie Wasser das zweite Element, vor dem sich das Feuer, als drittes Element, hüten muss. Und der Rauch des Feuers symbolisiert nicht nur die Luft. Er macht sie sichtbar. Erde und Wasser sind für den überwiegenden Teil der Ureinwohner weiblich. Sodass die Männer sie auf eigenen Gefahr berühren oder betreten. Die männlichen Ahnenwesen wurde von Erde und Wasser geboren. Feuer und Rauch repräsentieren den männlichen Elemente Anteil. Sie werden genutzt bei der männlichen Wiedergeburt- Technik in den Boro Kreisen. In einigen Feuermythen wird aber auch berichtet, dass die Frauen einst auch dieses Element besaßen, bis es ihnen gestohlen wurde. Feuer ist ein Teil beider Geschlechter. Somit wird es benötigt bei der männlichen Wiedergeburtzeremonie der Männer, wenn diese, um zu den Eingeweihten zu gehören (Initiation), durch das Feuer gehen müssen, um vom Rauch gereinigt zu werden. Die Vergebung der SündenDas Yolugu Volk im Arnhem Land huldigt einer Zeremonie (Nara), deren Ursprünge Teile der Duwa Kunst sind. Dort wird in Liedern, Tänzen, Bildern an den Djanggawul Mythos gedacht. Alle Personen des Stammes, ob Mann oder Frau, sind einbezogen. Die Männer bereiten dafür aus dem im Gebiet in Wasserlöchern oder Schlammbänken stehenden Holzpfählen in spirituellen Zeremonien heilige Gegenstände (ranngga). Das dauert einige Tage. Die Frauen stellen für diese heiligen Hölzer allerlei schmückendes Beiwerk her. Meist lange Federketten, die man an die Pfähle hängt, damit sie von den Männern gestohlen werden können. Ein Diebstahl der heiligen Objekte? Passt das zur Kultur der Aboriginal People? Ja, denn der Diebstahl ist der Grund für eine äußerst interessante und bei den Ureinwohnern nach dem schon erläuterten Kulturweltendreieck eigentlich nicht erwartete Reaktion. So stellt der Diebstahl der Federketten dann auch den dramatischen Höhepunkt des letzten Teils der Zeremonie dar. Und der Zyklus von Ritualen und Zeremonien schließt mit einem Bade-Ritual, in dem die Männer, gefolgt von den Frauen und Kindern bis zum Strand tanzen und dann in das Wasser eintauchen. Dadurch werden sie rituell von der Schuld des Diebstahls rein gewaschen Es ist schon erstaunlich für und in der Mythologie der Ureinwohner, dass für ein Vergehen an den heiligen Objekten plötzlich keine unerbittlich Strafe, sondern eine Vergebung der Sünde steht. Die Wurzel dieser rituellen Vorgehensweise liegt in den folgenden, besonders auch für die Initiation wichtigen und begründenden Legenden. Die Djanggawul MythologieDas Yolngu People berichtet, dass auf der Insel Baralku (Bralgu), weit auf dem Meer, vielleicht sogar in der Unterwelt, einst Djanggawul lebte. Eigentlich waren es aber drei Bewohner. Zum einen Djanggawul, dann seine ältere Schwester Bildiwuwiju (oder Bildjiwuraru), die viele Kinder hatte, und dann noch seine jüngere Schwester Muralaidj (oder Miralaidj), die gerade in der Pubertät war. Eine Legende des Wulamba Volkes erzählt, dass irgendwann die Drei beschlossen, ihre Insel zu verlassen und nach Australien zu ziehen. In gewissem Sinne waren sie wohl die ersten Missionare, die nach Terra australis kamen. Denn sie hatten in ihrem Kanu heilige Objekte und Embleme, die sie in einem konischen Mattekorb aufbewahrten. Der Morgenstern stand schon hoch über ihrer Insel, als sie die Tour über das Meer starteten. Nach einer unproblematischen Reise landeten sie beim Yelanghara Beach an der Küste des Arnhem Landes nahe Port Bradshaw. Dieser Strand wurde wegen der Landung zu einem heiligen Platz. Zumal Djanggawul, nachdem er seinen Malawan, den Wanderstock, in die Erde gebohrt hatte, so eine Süßwasserquelle zum Sprudeln brachte. Der Stock wuchs ziemlich schnell zu einer Eiche (She Oak), auf dem dann ein schwarzer Kakadu saß und schrie. Sie schauten sich in den Dünen um und bemerkten die Spuren eines Tieres. Es war ein Goanna, den Djanggawul den Namen Djunda gab. Dann begannen sie ihre Reise über das Land, auf der sie viele Plätze, Tiere und auch Orte mit heiligen Objekten im Boden für zukünftige Generationen benannten. Sie bevölkerten das Land, über das sie gingen, und erreichten schließlich einen Platz, aus dem das Elcho Island wurde, weil Djanggawul eines Tages über einen Kriechtier stolperte und dabei versehentlich seinen Wanderstock in den Schlamm stieß. Sofort begann das Meer zu steigen und überschwemmte das Land, das so, bald vom Festland getrennt, zu einer Insel wurde. Nach der Legende stahlen eines Tages die Söhne der beiden Schwestern die heiligen Embleme, ihre Songs und auch die Zeremonien. Der Diebstahl wurde entdeckt. Man diskutierte die Verwerflichkeit der Tat. Dann aber vergaben Bildiwuwiju und Muralaidj ihren Söhnen die Verfehlung. Auch, weil sie noch ihre Gebärmütter hatten. Und dieses sichtbare Zeichen der Macht der Frauen würden wirkliche Männer niemals stehlen. Endlich, nach vielen Abenteuern und nach der Übergabe der wichtigen kulturellen Insignien, der Weitervermittlung der Songs und auch der Sprache, kehrten Bruder und Schwestern wieder zurück zu ihrer Heimatinsel, die als Insel der Toten betrachtet wird. Die Ureinwohner verehren Djanggawul als einen mythischen Stammesvater, da nach der Berührung der Erde mit seinem heiligen Rangastäben (Phallussymbole) Bäume, Pflanzen und Tiere entstanden. In der Geschichte des Yolngu Volkes wird aber nicht erwähnt, dass die Drei auch mit einheimischen Ahnenwesen zusammen trafen, dass sie möglicherweise mit Macassanas aus Indonesien gekommen sind. Aber der Sinn der Geschichte ist schon wichtig für das Verständnis der Mythologie der Ureinwohner des Nordens. Er erklärt nämlich, dass wohl erhebliche ausländische Einflüsse in der Kultur des Arnhem Landes vorhanden sind. Deswegen lässt sich so der Kontrast zu den Kulturen der Ureinwohner in anderen Teilen Australiens erklären. Obwohl im nördlichen NSW und an den südlichen Küsten von Queensland ebenfalls davon gesprochen wird, dass die kulturellen Vorfahren, wie zum Beispiel „Die drei Brüder und ihre Großmutter“, einst aus dem Ausland kamen. In
der Kimberley Region wird erzählt, dass zumindest einige der Wandjinas aus
dem Meer kamen. Und in der Western Desert sind die großen Vorfahren aus
einem weit entfernten Land eben mal rüber gesprungen. Der Mythos der Djanggawul- SchwesternSie werden als Töchter der Sonne betrachtet, Djanggawuls beide Schwestern, deren weitere Namen in der obigen Geschichte stehen. Wie gesagt, sie lebten mit ihm zusammen und zogen mit ihm auch über das Land. Es war eindeutig eine Inzestbeziehung. Und nach der Legende waren die Schwestern ständig schwanger, da sie alleinige Besitzerinnen des heiligen Wissens um die Schwangerschaft waren. Nur sie, und nicht die Männer, kannten die Lieder und Rituale der Traumzeit. So wanderten sie über die Erde und gebarten neues Leben. In der obigen
Legende stahlen ihnen ihre Söhne dieses Wissen. Eine andere Legende besagt
allerdings, dass auch ihr Bruder Djanggawul mit an dem Diebstahl beteiligt
war. Und die Schwestern ließen die Diebe gewähren.
Sie hatten längst erkannt, dass für den Zusammenhalt und den
Frieden innerhalb der Gruppe das Teilen des heiligen Wissens notwendig
war. Außerdem hatten die Frauen nichts zu verlieren, schließlich war ihnen
das heilige Wissen ja schon bekannt. Und so konnten sie nach Belieben
weitere Lebewesen erschaffen. In einer anderen Version waren sie aus der Unterwelt Baralku
gekommen und
verloren so ihre Totems an die Männer. Nachdem die jüngste
der Schwestern blutschänderisch vergewaltigt worden war, wurden sie
einfache, gewöhnliche Frauen. Auf die Situation, als die Schwestern von
der Regenbogenschlange verschlungen wurden, werde ich in der Geschichte
über Julunggul eingehen. Als besonders Verdienst der Schwestern sehen die Ureinwohner im
Norden, dass sie nach ihrer Ankunft von Bralgu alle Tiere und Pflanzen in
zwei Klassen einteilten. Die Stämme und alle Tiere
wurden von ihnen mit Namen versehen. Und mit ihren Yam Stäben schufen sie
heilige Brunnen. Über die abenteuerliche Reise der Schwestern gibt es mehr als 500
Liederzyklen. Die Djanggawul
oder Djangawul (auch Djunkgao) Schwestern werden noch heute mit der
Regenzeit, mit Überschwemmungen und Meeresströmungen in Zusammenhang
gebracht. Thunder Man (Der Donner Mann)Der Thunder Man
(Bodingo oder Djamburwal) ist ein wichtiger schöpferischer Vorfahre der
Duwa Moiety der Ureinwohner Sippen im Arnhem Land. In der Traumzeit lebte
er in die Regenwolken. Das mythische Wesen Djanggawul sah ihn und sang
über ihn auf seiner Reise von Bralgu zum Festland (siehe oben). Wenn er
über die Wasser spazierte verursachte er riesige Wellen, die sehr
gefährlich für die Kanus waren. Er besaß eine Reihe von heiligen
Schnürbändern. Eines davon schuf er, als er einst seine zweispitzige Keule
warf und die Form eines Berges zerbrach. Worauf dieser in viele Fragmente
zerbarst. Die Fragmente werden seine Augen genannt. Und die können immer
noch im Arnhemland gesehen werden.Beim Hochwerfen der
„Augen“ in den Himmel wurden die Wolken geformt. Dreaming Tree Matchwood TreeDiese Geschichte erzählen die Ureinwohner von Cape York. Für sie ist der Matchwood Tree (Erythroxylum ellipticum) ein solcher Traumzeitbaum über Leben und Tod. Matchwood heißen bei uns Hölzer, die zur Herstellung von Streichhölzern geeignet sind. Diese in Nordaustralien wachsenden Platanen sind Sträucher öder Bäume, die man auch „Turpentine (Terpentin) Tree“ nennt, weil die Äste und grünen Zweige leicht und gut brennen. Die Stämme der Cape York Pensinsula glauben, dass, wenn eine Person stirbt, die Seele über diesen Baum in die Himmelswelt steigt, während der Körper in der Begräbnisstätte des Clans verbleibt. Deshalb stecken die Ureinwohner in die Begräbnisstätten kleine entwurzelte Matchwood Bäume, deren Spitze abgeschnitten wurde. Derart, dass sie nur noch einen Meter hoch sind. Sie werden verkehrt herum, also mit den Wurzeln nach oben, in das Grab gesteckt. Der Matchwood Tree hat ein eigentlich flaches Wurzelsystem mit einer langen Hauptwurzel, der Taproot (Toproot), die sich nach Westen orientiert, da dort nach Glauben der Ureinwohner der Eingang zur Himmelswelt ist. Nach dem dritten Tag steigt die Seele von dem flachen Wurzelsystem des Baumes, wie von einer Plattform, nach oben. Sie ist zunächst sehr verwirrt und sitzt hilflos in den Wurzeln, bis sie die Taproot sieht, die nach Westen zeigt. Daraufhin startet die Seele ihren Flug direkt zum Eingang der Himmelswelt. Dieser Eingang hat die Form eines umgedrehten Y - förmigen Baumstammes, der sich schließen kann, um bestimmten Seelen den Zugang zu verweigern. Der Wächter des Tors zur Himmelswelt ist natürlich eine Gottheit. Aber sein Name ist geheim und folglich nicht bekannt. Er veranlasst die ankommenden Geister zum Lachen. So kann er sehen, ob die Seele eine Initiation bekommen hat. Weil dabei nämlich ein Vorderzahn entfernt wird. Auch der Körper einer Seele wird geprüft, ob er heilige Zeichen aufweist. Nur wenn alles in Ordnung befunden wird, dann darf die Seele durch die Pforte in die Himmelswelt. Nach der Geburt
eines Kindes vergräbt die Mutter die Nachgeburt unter einem Matchwood
Tree. Falls das Kind stirbt wird seine Seele dann ebenfalls in die
Himmelswelt gelangen. Dreaming TracksEine der vielen im Zusammenhang mit der Traumzeit für den Europäer schwer zu erfassende Besonderheit ist das Vorhandensein der Traumzeit Tracks. Es sind die Wege über das Land, die einst schon die kreativen Ahnen gingen. Auf denen sie ihre in den Legenden festgehaltenen Schöpfung für die Welt vollbrachten. So wird beschrieben, wie der bedeutende Ahne Wagyal, ein Wasserschlangen Gott, einst in Süd West Australien das Nyungar Land schuf. Er reiste quer durch das Land, schuf Landschaften, wie Hügel, Flüsse oder Seen. Darunter auch die Swan Gegend, wo heute Perth liegt. Vor der Hauptstadt West Australiens kann man die lange Kante oder den langen Grat eines steilen Abhangs sehen, der einst sein Körper gewesen sein soll. Ein weiterer heiliger Platz liegt an der Mounts Bay Road, dort wo die alte Brauerei einst gearbeitet hat. Hier legte die göttliche Schlange in der Traumzeit ihre Eier ab. Die Legenden erzählen, dass die Frauen des Bibbulmun Tribe hier „ihre Babys erhalten“. Treffender wäre wohl zu schreiben, dass ihnen hier, durch die Energie des Platzes, die Fähigkeit, schwanger zu werden, vermittelt wird. IntermezzoDas Bemühen des Aboriginal People die Vielfalt der Jetztzeit mit erträumten Ereignissen der Vergangenheit zu erklären, hat zu erstaunlichen Geschichten und Legenden geführt. Nicht alle haben die Ureinwohner preisgegeben. Aber die uns bekannten Geschichten sind so interessant, dass eine Auswahl hier zum Lesen angeboten wird. Und viele Geschichten sind, da von den einst 300 verschiedenen Sprachen zu Zeiten von Cook nur noch rund 100 erhalten blieben, wohl unweigerlich verloren. Ebenso wie die Ureinwohner wohl niemals wieder die Bevölkerungszahlen von 1788, nämlich zwischen 750.000 bis 3 Millionen, erreichen. Erst dem deutschen Forscher Ludwig Leichhardt ist es zu verdanken, dass man seit 1845 um die Vielfalt der Sprachen weiß. Er hatte in kluger Voraussicht einen Ureinwohner als „Dolmetscher“ in sein Forschungsteam aufgenommen. Doch bereits wenige 100 Kilometer westlich der Ostküste konnte dieser sich mit den dortigen Stämmen schon nicht mehr verständigen.
Die schöpferischen AhnenErstaunlich die Offenheit, mit der menschliche Schwächen wie Lüge, Betrug, Diebstahl und Mord, in den Fabeln oder Legenden auf Tier-Menschen übertragen, dargestellt sind. Die große RegenbogenschlangeEine Regenbogenschlange ist unbestritten die zentrale Figur der Schöpfungsgeschichte. Und somit auch in der Traumzeit. Sie ist die Idealfigur für die Verschmelzung von Geist und Materie zu einer Einheit des Grundprinzips. Außerdem stellt sie eben als Schlange ein sichtbares sich windendes Bindeglied zwischen der Erde und dem Himmel, also der realen und metaphysischen Himmelswelt, dar. Eine Welt, zu der die meisten Schöpferwesen, die auf der Erde tätig waren, nach getaner Arbeit auffuhren Nicht selten gibt es in den Legenden auch Hinweise, dass bei Reifefeiern (Initiationen) der Einzuweihende über die Regenbogenschlange in den Himmel gelangt, wo er dann neues Wissen bekommt.
Angeblich soll man die die Regenbogenschlange, besonders im Arnhemland, zunächst für einen weiblichen Schöpfergott gehalten haben. Dies änderte sich schon in „kurzer“ Zeit. Und nunmehr ist sie die Wächterin der Wasserlöcher. Das finde ich auch logisch. Obwohl einige Wissenschaftler dem Aboriginal People wegen des anfänglich überwiegenden Verweilens in den Regionen an der Küste, eine „an das Leben am Meer angepasste Kultur“ zuschreiben, ist der Bedarf an Wasser und entsprechenden Speichern doch das Hauptanliegen in den Wünschen des Volkes. Wer aber könnte so riesige Wasserlöcher schaffen? Menschen? Menschähnliche Schöpferwesen? Nein! Aber eine riesige, das Land umspannende Schlange? Ja! Die könnte das!
Die Regenbogenschlange (Regenbogendrachen) zog ihre Spur durch Australien und erschuf dabei die Flüsse und Berge. Rastplätze, wie Ubirr, wurden folglich zu besonders heiligen Plätzen. Ein Lied, geschaffen vom Regenbogendrachen, wird immer noch von den Ureinwohnern des Nordens gesungen. Dieses Lied beschreibt den Reiseweg des Drachens und die Orientierungspunkte, die durch ihn geschaffen wurden. Diese Lieder lassen sich auch als Navigationsanleitung interpretieren, da sie zum Beispiel auch die Positionen von Wasserlöchern beschreiben. In der endlosen
erdachten Traumzeit, der Welt der schöpferischen Ahnen, die von den
Ureinwohnern Lalai genannt wird, schlief alles unter der dicken Erdkruste.
Die Erde und die darunter Schlafenden existierten eben schon. Aber
schlafend.
Die Schlange des Nordens empfängt die universelle Energie und leitet diese in das Erdinnere, wo sie sich mit dem innerirdischen Magnetismus vermischt. Am Südpol, also der Schlange des Südens, treten die Energien wieder aus und verteilen sich von dort netzförmig über die gesamte Erde. Diese wachstumsbringende erdmagnetische Verteilung von Süd nach Nord sind für die Ureinwohner die Bewegungen der Regenbogenschlange Der Beginn der Inbesitznahme der Erde ist folglich der Moment, als die große Regenbogenschlange Wanambi erwachte und sich durch die Erdkruste ins Freie schob. (Das in der Gammon Range, einem Teil der 400 Kilometer langen erst 1802 entdeckten Flinders Ranges, lebende Adnyamathanha Volk nennt diese Schlange Arkaroo oder auch Akurra, deren angenommene Größe vielleicht dadurch verständlich wird, dass St. Mary’s Peak, mit 1189 Metern der höchste Berg, der Kopf einer der Schlangen gewesen sein soll). Viele Steine mußte sie auf den Weg nach oben entfernen. Sie schaute sich in der Öde der Oberfläche um und begann ihre Wanderung zu allen Punkten dieser Erde. Es war ein langes und Kraft raubendes Unterfangen. Wenn sie müde war, ringelte sie sich zusammen und schlief. Sie hinterließ die Spuren ihres Weges auf dem Land und die tiefen Eindrücke ihres schlafenden Körpers im Erdreich. Nachdem sie nun überall gewesen war, kehrte sie zurück zu dem Punkt, wo sie am Beginn aus der Erde gekrochen kam. „Kommt heraus!“ rief sie den Fröschen zu. Langsam und mühselig bemühten sich nun die Frösche an die Oberfläche zu gelangen, Ihre dicken Bäuche, voll von Wasser, das sie für die Traumzeit eingelagert hatten, erschwerte den Aufstieg. Aber schließlich gelang es. Die Schlange kitzelte die Bäuche der Frösche. Diese mussten lachen und aus ihren Mäulern ergoss sich ein riesiger Wasserschwall. Das Wasser floss über die Erde, in die Spuren des Weges der Schlange, in die Aushöhlungen ihrer Schlafplätze. So entstanden Flüsse und Seen. Dann begann Gras zu wachsen, schossen Bäume aus der Erde in die Höhe.
Regenbogenschlange durch das Land. Sie lebten glücklich, suchten Nahrung mit ihren Artgenossen und ergründeten den Lebensraum. Das Känguru und das Wallaby in den Ebenen, die Kriechtiere in den Bergen, unter den Steinen. Die Vögel flogen durch die Luft und lebten auf den Bäumen. Noch waren sie einander gleich. Die Mutter des Lebens, wie sie genannt wurde, regelte mit Gesetzen, die alle zu befolgen hatten, die Ordnung untereinander. Aber es gab eben auch schon damals Streitsüchtige und Unruhestifter. Das war gegen den Willen der Schlange. Die Übeltäter wurden bestraft. „Wer meine Gesetze befolgt, den werde ich belohnen“ sagte die Schlange. „Ich werde denen eine menschliche Gestalt geben. Sie, ihre Kinder und Kindeskinder sollen für immer über diese Erde wandern dürfen. Das soll ihr Land sein!“ Dann sprach sie zu den Unruhestiftern. „Wer mein Gesetz gebrochen hat, wird bestraft. Sie sollen zu Steinen verwandelt werden, müssen am Ort bleiben, dürfen niemals über die Erde wandeln!“ So entstanden die Berge und die Gebirge. Sie stehen seitdem für immer an ihrem Platz und dürfen die Anderen bei ihren Jagden, bei der Nahrungssuche nur beobachten. Die Schlange gab den Gesetzestreuen menschliche Gestalt und schuf für jede Rasse, je nachdem aus welcher Gruppe sie beim Erwachen aus der Traumzeit stammten, unterschiedliche Merkmale. Für Menschen, Tiere, Vögel und für die Kriechtiere. Dieser Unterteilung messen die Aborigines im „Oodgeroo Noonnuccal“ (Beginn des Lebens) eine große Bedeutung bei. Dabei schwingen seitdem alle schöpferischen Erlebnissen und Taten der Ahnen in allen Formen und Energien des tierischen, pflanzlichen und menschlichen Lebens wie ein Pendel mit. Die tatsächliche Existenz bleibt immer mit den Kräften verbunden, von denen sie entstammte, bis sie über das Reich der Toten ins das Reich der Ungeborenen zurück schwingt. Spricht nicht auch die kirchliche Lehre der westlichen Welt von der Unsterblichkeit der Seele? Die Ureinwohner glauben an eine sterbliche und eine unsterbliche Seele. Der schon zu
seiner Zeit umstrittene griechische Philosoph Heraklit (540 bis 480 v.Ch.)
sah in der Natur ein ewiges Werden und Vergehen, Vergehen und Werden. Aus
Einem wird Alles und aus Allem wird Eines. Mit seinem berühmten Ausspruch
"Alles fließt" brachte Heraklit die göttliche Ordnung auf den Punkt, denn
tatsächlich fließt alles, da alles Energie des Logos, des göttlichen
Geistes ist. Und die Menschen sind in diesem
Energiefluss! Ich bin maßlos beeindruckt, wie ein „isoliertes Steinzeitvolk“ solch grundlegende Erkenntnisse, die heute sogar Basis der Quantenphysik sind, nur durch ein intensives und bewusstes Leben in und mit der Natur entwickeln konnten. Das „Steinzeitvolk“ ist uns zwar im Wissen um die Dinge weit voraus, und sie trösten sich in ihrer Unterdrückung durch die Weißen mit dem Wissen der Prophezeiung, dass aus ihrem energetischen Weltverständnis der wohl unvermeidlichen Untergang dieser Menschheit folgen muß. Sie meinen, dass die derzeitige Welt ein Zeitalter von Uninitiierten, als von Menschen, die nicht in die Gemeinschaft eingefügt werden sollen oder können, durchlebt. Zumal die führenden Politiker Leute sind, die keine Beziehung zu den Ursprüngen (Traumzeit) haben. So ist die Menschheit derzeit nicht bereit, das Gleichgewicht der Kräfte zu erhalten. Man leugnete bewusst eine grundlegende Erkenntnis der Ureinwohner: „“Was der Mensch von der Natur bekommt, der Erde entnimmt, muß wieder zurückgegeben werden. Sonst wird das Gleichgewicht vernichtet!“ In den Augen der Ureinwohner, und das eben erzählen sie auch in ihren Legenden, „muß die Menschheit zerstört werden, um der Zerstörung zu entgehen. Und nach dem Pendelprinzip wird diesem Zeitalter ein neues folgen. Das Licht der unbesiegbaren Sonne wird dann in die Dunkelheit der besiegten Erde tauchen und es wird nach der Dunkelheit in der Natur ein neuer archetypischer Zyklus erwachsen, dessen Blüten der Traum eines neuen Samens sein werden.“
Die Mythen über die Regenbogenschlange finden wir in einigen Regionen Australiens besonders gehäuft. Obwohl diese von Cape York ausgehen wird in diesen regenreichen Küstenregionen wenig darüber erzählt. Auf der Karte sind die Gebiete im Northern Territory, besonders in der MacDonnell Ranges, und ein Band entlang der Great Dividing Ranges , das von Queensland bis Victoria reicht, markiert und deutlich erkennbar. Die Häufung der Erzählungen im Arnhemland hat sicher auch etwas mit der Stammeskonzentration in der dortigen Gegend zu tun. Über den Wasserreichtum der Regenbogenschlange, die irgendwie auch das Urmeer verkörpern soll, erzählen Legenden, dass beim Kochen einer getöteten Schlange eine riesige Überschwemmung eintreten soll. Denn als die Regenbogenschlange, so berichten die Erzählungen und auch die Steinzeichnungen, die sie als Seepferdchen zeigen, vor 10 Tausend Jahren nach getaner Arbeit singend weg gegangen ist, brach eine verheerende Sintflut über das Land. Doch auch darüber wird noch zu berichten sein. Interessant ist auf alle Fälle, dass vor 10 Tausend Jahren die Eiszeit beendet war, dass die kanadischen Indianer genau zu dieser Zeit von der Entstehung der Behringstrasse berichteten und das es auch die Zeit der Schwarzmeerkatastrophe war, die ja vermutlich das Bezugshochwasser für die Sintflut in der Bibel gewesen ist. Der
Regenbogenschlange wird eine Fruchtbarkeitssymbolik zugeschrieben, da sie
zweigeschlechtlich ist. Sie war eigentlich männlichen Charakters. Nachdem
sie aber in der Traumzeit im Arnhemland zwei weibliche Wesen, die Wawilak
Schwestern, gefressen hatte, nahm sie die Kraft der Weiblichkeit in sich
auf. Und von da an ist sie nun zweigeschlechtlich. Sie verkörpert im
Denken des Indigenous People den Dualismus von Himmel und Erde, der aus
dem Urzustand der Erde durch die Teilung entstandenen ist. Als vielleicht wichtigste „Gottheit“ in Australien hat die Rainbow Snake natürlich auch viele Namen. So nennt sie Oodgeroo, ein Stammesältester und Schriftsteller in der Noonucal Community (Moreton Bay nahe Brisbane) sehr treffend „All –Mother“. Dieser englische Namen soll auch außerhalb des Aboriginal People die Allmacht des Wesens symbolisieren. In der englischen Bezeichnung finden wir in munterem Wechsel die Namen Rainbow Serpent, Rainbow Snake oder Rainbow Monster. Da waren die Ureinwohner bedeutend einfallsreicher. Einige der folgenden Namen hat der Leser in einen meiner Australienbücher schon gelesen. Andere Namen kann man mit sehr schönen Erläuterungen bei Birgit Kahler lesen. (Die Regenbogenschlange Australiens, www.grin.com). Aber alle unterschiedlichen Namen meinen das gleiche Wesen. Wobei sie schon in der Art des Auftretens und des Handelns differenzieren. Arnhem Land: BILUMBIRA, die beiden Blitzschlangen WUNUGA und WALA–UNDAJUA, NGALJOD, YURLUNGA (die die beiden Wawalag Schwestern fraß), KUNMANGGUR (Murinbata Tribe), GALERU, YINGARNA (The Great Creator Serpent) Zentralaustralien: WANAMBI, KALAIA, WOLLUQUA, WARRAMUNGA (auch WOLLUNQUA), JARAPIRITI (beim Walbiri People), West Australien: WOGAL (Perth); KALSERU, BULAIN (Karadjeri People), JARUWARI, WANAMANGURA (Laverton), KAJURA (Carnarvon), Kimberley: BRIMURER (Forest River District), UNGUD (Walcott Inlet), MAIANGARA (beim Karadjira People im Le Grange District), Süd Australien: AKURRA (darüber habe ich ausführlich in meinem Buch „Die Nord Süd Trasse von Down under“ geschrieben. (http://www.downunder-dago.de/173/dieter-tischendorf/oodnadatta-track/Wilpena-Pound.html), BUNYIP (Rocky River), MYNDIE, Northern Territory: WARRAMURRUNGUNDI, KOOPOO (im Katherine Gorge, wo man erzählt dass aus einem „red Plains Kangaroo“ eine Rainbow Snake wurde), BOLUNGBOLUNG, NUMEREJI (Kakadu), Ngalyod, Queensland: MAGIC SHAMAN SNAKE TAIPAN (beim Wik Munggan People), YERO, TAKKAN oder DHAKHAN (Kabi Tribe, Noosa), KANMARE (Boulia), TARGAN (Brisbane), YAMANY (Atherton), ANDRENJINY (Peenefather River), TOULLON (Mount Isa), NSW: WAWI
(Wentworth), KARIA (Kwiambal Tribe), KURREAH (Broken Hill), WAVI
(Riverina), NEITEE & YEUTTA (Wilcannia),
BUNYIP, Victoria: KURREA (Barwon River),MYNDIE (Melbourne). Zum Schluss des Kapitels Rainbow Snake möchte ich noch auf eine interessante Gottheit hinweisen. Der Schöpfergott JulunggulJULUNGGUL wird als Schöpfergott und Kulturbringer bei den australischen Stämmen des Arnhemlandes verehrt. Angeblich verschlingt die Gottheit, die mit der Regenbogenschlange gleichgesetzt wird, während der Initiation die Knaben, um sie später wieder auszuspeien. Die Initiation ist der symbolische Übergang vom Kind zum Manne. Viele Stämme halten JULUNGGUL aber für eine Göttin.
Sie war es, die durch einige Tropfen von Menstruationsblut im Wasser des Waterhole angelockt, die Wawalag Sisters und deren Söhne verschlang, zur Strafe wegen der Verunreinigung des Wassers. Nachdem die Flut zurück gegangen war, kam die Schlange auf die Erde und schuf an der Stelle, wo sie zuerst die Erde berührte, die erste Initiationsstätte Yoingu. Dann spie sie die Schwestern und deren Söhne wieder aus. Diese wurden so zu den ersten Initiierten der Yoingu. Zwei andere Männer, die das Brausen des Sturms gehört hatten, wollten sehen, was geschehen war. Sie lernten die Lieder, die die Schwestern gesungen hatten und vollzogen später auch die erste Initiationszeremonie. Die Initiation, also der Übergang vom Knaben zum Mann, das ist es, weswegen diese Rainbow Serpent im gesamten Arnhem Land so verehrt wird. Außer JULUNGGUL wird sie auch YULUNGGUR, YURLUNGA, UNGUR oder BRIAMER, WONUNGUR, WORONMBI, LANGAL, GALERU oder GALARU und MUIT genannt. In Wikipedia werden unter Bezug auf James Cowan für die große Regenbogenschlange folgende Namen angegeben: Im Nordwesten Australiens UNGUD, im Westen MANGELA, im Süden PUNDJEL und für den Osten BAIAME. J. Cowan ist sicherlich ein Experte und hat sehr interessante Abhandlungen über die Mythologie der Ureinwohner geschrieben. Hier aber hat sich wohl ein kleiner Fehler eingeschlichen. Lediglich Ungud ist ein Schöpferwesen in Schlangengestalt. Über Mangela gibt es kaum Literatur. Die Einordnung zur Regenbogenschlange wäre möglich. Jedoch Pundjel und besonders Baiame werden im Kapitel „Schöpferwesen“ als Ancestors dem Leser vorgestellt. Etwas Interessantes kann man bei James Cowan aber noch erfahren. Wir wissen, dass die Regenbogenschlange als Hüterin des Wassers gern in Wasserlöchern wohnte.
Hiltrud Cordes kommt 1983 in ihrer Magisterarbeit so zu dem Resümee, dass „die Regenbogenschlange als reales Wesen in der Traumzeit tätig war. Heute zeigt sie sich in ihrer Schattenform als Regenbogen, Milchstraße oder als Stern. Als Prinzip ist sie unsterblich, als Individuum kann sie jedoch getötet werden.“ Und die spannende Geschichte, wie Akurra die Flinders Ranges schuf, erzähle ich natürlich auch noch. Später! In Coward Springs dürfen Fremde nur in Begleitung von Einheimischen einer bestimmten Totemgruppe zur Quelle, die als Mund der Riesenschlange gilt und deren Kopf im dahinterliegenden Hügel gesehen wird. Ansonsten kann es sein, dass die Schlange den Geist des Eindringlings verletzt und dieser daran stirbt. Viele Autoren stellen das Zitat von Kenneth Maddock, auch zur Bedeutung der Regenbogenschlange an den Anfang ihrer Ausführungen. Ich aber möchte damit enden, weil ich glaube, es passt besser zum Schluss: "The nature of
the belief remains an open question." Die Taipan GottheitDie Taipane sind die einzigen in der Mythologie der Ureinwohner verehrten Schlangen Gottheiten, die noch heute leben. Sie sind heute die giftigsten Schlangen der Welt und werden deshalb ziemlich gefürchtet. Ethnologen meinen, dass der Name Taipan auf den Aboriginal Stamm Thaypan zurück geht. Und wirklich lebte früher auf Cape York ein Stamm der Ureinwohner, der Olkola oder Thaypan Tribe genannt wurde. Die allgemeine Verbreitung des Namens der Schlange ist wohl aber mehr auf die einst viel gesprochene, mittlerweile aber ausgestorbene Sprache Kuku - Thaypan oder auch einfach Thaypan zurückzuführen.. In den Legenden des Wilk Kalkan Volkes (Cape York) wird berichtet, dass die Schlangen Gottheit Taipan auch zu den großen ursprünglichen Schamanen gezählt werden muß, da er mit allen Attributen einer universellen Gottheit ausgestattet war. Die Schlange galt als “Schiedsrichter“ über Leben und Tod. Mit der Spitze eines Knochens von einer verstorbenen Person konnte die Schlange heilen, indem sie die Versorgung des Körpers mit Blut, dessen Verlust ja die Ursache für den Tod war, regulierte. Taipan ist die Gottheit, die der Menschheit das Blut gab. So hatte sie Macht über alle Lebensvorgänge, sei es der Herzschlag oder die Menstruation. Wie aber kam der Taipan dazu, der Menschheit das Blut zu schenken? Der Taipan war einst ein Mann und ein großer Schamane. Wenn eine Person nach dem Verschlingen eines Goanna oder Bandicoot Knochens erkrankte heilte der Taipan ihn durch Druck und Aussaugendes Knochens. Dann forderte er ihn auf Auszuspucken. Und die Person war geheilt. Es gab aber auch Fälle, da sagte er „Ich kann nicht helfen!“. Wenn er daraufhin einen Knochen in Richtung der Person hielt, starb der Mensch bald danach. So entstand die kultische Zeremonie „Point the bone“. Der Taipan wurde als sehr clever beschrieben. Er konnte Blitze und Donner entstehen lassen. Einst legte er einen großen Stein auf das Ende einer langen Schnur und dazu ein blutrotes Messer. Er wollte einen Feuerstein zu einer Spitze schärfen, um diesen dann an dem langen Strick zu befestigen, um mit ihm zu werfen. So entstand der Donnerschlag. Man konnte ihn immer und immer wieder werfen, um viele Donner zu erzeugen. Der Stein wurde dabei glühend heiß, kühlte aber mit der Zeit wieder ab. Taipan hatte drei Ehefrauen. Uka, die Wasserschlange, Mantyha, die Natter und Tuknampa, eine andere Wasserschlange. Er hatte auch einen Sohn. Und dieser Jüngling jagte eines Tages. Bei der Jagd traf er flussabwärts die schwarze Wasserschlange Tintauwa, die mit dem blauzüngigen Lizard Wala verheiratet war. Tintauwa tat als ob sie schlafen würde. So näherte sich ihr der Jüngling. Und sie verführte ihn. Die beiden wurden ein Liebespaar, das zusammen wegging. Wala folgte den Liebenden und tötete den Sohn. Er trug dessen Herz und dessen Blut zu Taipan, der darob schwer vom Gram getroffen wurde. So beschloss
Taipan, die Erde zu verlassen. Er versammelte seine zahlreiche Familie um
sich. Dann verrieb er das Blut seines Sohnes auf die Familienmitglieder
und sagte ihnen, dass sie sich auf verschiedene Plätze der Erde verteilen
sollen. Seinen beiden Schwestern gab er das restliche Blut und befahl
ihnen, es in den Himmel zu bringen, wenn sie nach dort oben aufsteigen
würden. Das ist das Rot im Regenbogen und es symbolisiert das Menstruationsblut.
Als das getan war warf Taipan sein blutrotes Messer und ein starker und brausender Sturm kam auf. In ihm verschwand Taipan von der Erde. Seine beiden Schwestern behaupteten gegenüber den anderen Familienmitgliedern, dass sie noch über die Erde gehen wollten. In Wirklichkeit aber stiegen sie wieder auf in die Himmelswelt. In der trockenen Jahreszeit allerdings verweilen sie unter der Erde, doch wenn die stürmischen Unwetter kommen, dann steigen sie zusammen mit dem älteren Bruder von Taipan auf in den Himmel. Dann sind die Schwestern das Rot und der Bruder das Blau im Regenbogen. Wenn zum Beispiel eine Schwiegermutter, die ihre Tochter einem Mann versprochen hatte, diese nunmehr dem Mann nicht geben will, dann wirft Taipan sein Messer über den Himmel. Donnerschläge und Blitze drohen warnend. Und der Streit ist meist beigelegt. Auf Waityang, Taipans Djang Platz, wächst ein Milkwood Tree (Alstonia) ein immergrüner, sich weit ausbreitender Baum am Wasser. Waityang ist ein heiliger Ort. Ein Platz, wo sich ein Energiezentrum gebildet hat. Wer diesen Energiefluss stört, der bewirkt, dass hier plötzlich unzählige Schlangen auftauchen und dass von hier nicht nur Winde, sondern sogar Zyklone sich ausbreitend über das Land ziehen.
Der Wawilak Mythos und die InitiationIm Kapitel über die Great Rainbow Snake hatte ich schon die Schlangen Gottheit Julunggul erwähnt. Die je nach dem Stamm oder dem Volk, das die Geschichte erzählt, eben auch anders heißen kann. Das Yoingu People im nordöstlichen Arnhem Land nennt die Schlange Yurlunggur, die einst auf ihre Schöpfungsreise durch das Land wanderte. Bei dieser Wanderung traf sie auf zwei Schwestern, die in der ersten Geschichte Wawalag Sisters hießen, von den Yoingu aber die Wawilak Sisters genannt wurden. Es gibt für die beiden aber auch Namen wie Wauwalak oder Wawilag. Einig sind sich die Erzähler jedoch alle, dass die Reise der Schwestern an der Stelle begann, wo jeden Morgen der Morgenstern aufgeht. Und jeder Stamm entlang der Route, die die Schwestern beschritten, hat individuelle heilige Tiere, Pflanzen oder auch Totems, die an die Abenteuer der Wawilak Schwestern erinnern. Vom Landesinneren führte die Reise die Schwestern an die Nordküste des Arnhemlandes. Sie waren aber nicht allein. Die eine Schwester trug unter dem Arm eine aus Borke gebaute Wiege, in der ihr kleiner Sohn lag. Und die andere Schwester war schwanger. Sie jagten kleine Tiere und sammelten essbare Pflanzen. Gleichzeitig gaben sie allen Tieren und Pflanzen, denen sie begegneten Namen. Und so hielten sie es auch mit der Landschaft und den Orten, auf oder bei denen sie rasteten. An einem solchen Ort bekam die jüngere Schwester Wehen. So sammelte die Ältere Blätter und weiche Baumrinde, um daraus ein Bett für die Kreisende zu bauen. Beim Sammeln kam sie auch an das Wasserloch. Und ein paar Tropfen der von ihr unbemerkt einsetzenden Menstruation fielen in das Wasser. Darüber war die dort ruhende Schlange sehr erbost. Zunächst schickte sie ein großes Unwetter. Sturm und Regenschauer wüteten auf dem Ruheplatz. Es kam zum Hochwasser. Die Schwestern versuchten durch Gesänge die Schlange zu besänftigen oder sie sogar zu vertreiben. Die Situation war für beide erschwert, weil es bei dem Unwetter auch noch zur Geburt kam. Und die jüngere Schwester gebar ebenfalls einen kleinen Jungen. Doch die Schlange war ob der Verschmutzung und Befleckung ihres Wassers so ungehalten, dass sie zur Strafe alle Vier, also die Schwestern und ihre Söhne verschlang. Als das Unwetter sich ausgetobt hatte und die Flut zurück ging kam die Schlange, die inzwischen über dem Wasser gewesen war, wieder herab auf die Erde. Die Stelle, an der sie dabei zuerst die Erde berührte wurde für das Yoingu People zur ersten Initiationsstätte. Die Schlange spie nämlich die Schwestern und ihre Söhne wieder aus. Sie waren im heiligen Leib der Schlange gewesen, hatten im direkten Kontakt zur Energie des Schöpferwesens gestanden. So wurden die Vier zu den ersten Initiierten des Yoingu People, dem sie von nun an angehörten. Und da kamen auch noch zwei Männer, angelockt vom Getöse des Sturmes, die wissen wollten, was da geschehen sei. Sie hören die Lieder der Schwestern, lernten von ihnen und unterzogen sich kurze Zeit später ebenfalls der Initiationszeremonie. Die Bedeutung des Wawilak Mythos in der heutigen ZeitMit der Initiationszeremonie wiederholen die Yoingu das Ritual der Verschlingung des Einzelnen durch die Schlange und dessen geläuterte erneute Inkarnation. Damit wird ein Kreislauf des Lebens, nämlich Geburt – Tod – Wiedergeburt symbolisiert. So entwickelten sich seit dem Ereignis am Initiationsplatz die Rituale, Gesänge, Tänze und Zeremonien für den einstigen Ablauf des Geschehens. Allein der Liedteil soll mehrere hundert Strophen umfassen. Und der Ablauf der Initiation verläuft so, dass die Frauen des Stammens die Schwestern darstellen, deren Abenteuer und Erlebnisse sie in den Liedern erzählen. Die Männer übernehmen den Part der Schlange. Wenn sie einen Knaben hochheben und zu einem abgetrennten Ort des Platzes tragen wird symbolisch der Akt des Verschlingens durch die Schlange durchgeführt. Zu diesem geheimen Ort haben Frauen jedoch keinen Zutritt. Nach der Initiation dürfen die Knaben wieder den Boden betreten. Die Schlange hat sie quasi ausgespuckt. Doch, wie gesagt, die Erinnerung an den Wawilak Mythos ist nur ein verschwindend kleiner Teil im riesigen mythologischen Schatz des Aboriginal People. Die heilige Schlange WagylBeim Noongar People im Südwesten Australiens wird die Traumzeit Schlange Wagyl (auch Waugal oder Waagal) sehr verehrt. Ein Traumzeitwesen, das sowohl den Swan River als auch den Cannings River geschaffen hat. Neben noch weiteren Wasserstraßen und einigen Seen, wie den Lake Monger, formierte Wagyl die abwechslungsreiche Landschaft in und um das heutige Perth und den gesamten Südwesten Australiens. Dabei schlitterte die Schlange über das Land und hinterließ überall ihre Spuren. Manchmal waren es Rillen oder Furchen, manchmal hobelte sie den Boden blank und manchmal hinterließ sie auch tiefe Löcher.
Und Wagyl hatte viel zu tun. Nachdem nach den Legenden der Noonga People das höchste göttliche Wesen, the Great Rainbow Snake, das Universum und auch die Menschen geschaffen hatte, beauftragte sie Wagyl, eine unter ihr stehende, aber trotzdem mächtige Gottheit, all die oben genannten Dinge zu schaffen und zu schützen. Dazu gehörten nicht nur die Flora sondern auch die Fauna. Wagyl suchte sich Verbündete. Ganz selten liest man in den Traumzeitlegenden, dass die Gottwesen mit den Menschen zusammen wirkten. Das Noonga Volks ist noch heute stolz, dass Wagyl sie auserkor, als Hüter des Landes mit zu fungieren. Und einige Stammesältesten haben bei ihren Gesprächen mit den Traumzeitwesen auch Wagyl gesehen. Ganz fest glauben die Ureinwohner, dass Wagyl tief unter der Erde, dort wo sich die geheimen Quellen befinden, noch wohnt und ruht. Das ist auch der Hintergrund, warum das Noonga People unbedingt den heiligen Ort am Mount Eliza (siehe „Die Ureinwohner als Händler“) wieder haben wollen. Es ist der Rastplatz der Schlange Wagyl auf ihren Reisen. Also ein Djang Platz! Es gab zwischen 1990 und 2000 hier sogar ein Protestlager der Ureinwohner gegen die Brauerei, gegen die Pläne der weißen Bodeneigner. Die Ethnologen betrachten die Details in den Wagyl Legenden des Noonga People als eine wichtige mündliche Überlieferung der ausgestorbenen Megafauna Australiens. Einer Zeit, wo es im Süden Australiens eine fünf bis sechs Meter lange Python, die Wonambi naracoortensis, wirklich gab. Die Boro KreiseDie Boro Kreise
oder Plätze
sind heilige zeremonielle Orte
der australischen Ureinwohner. In den östlichen Regionen bestehen sie aus
einem größeren und kleineren kreisförmigen Bodenbereichen,
die durch einen Pfad
verbunden sind. Der
kleinere Boro Kreis
symbolisiert die Himmelswelt, in der Urvater Biame lebt. Sein Betreten ist
für Nicht Initiierte verboten. Der größere Grund repräsentiert die Erde.
Alle können ihn betreten. Die Zeremonien, die in ihm durchgeführt werden, sind weniger geheim. Boro Kreise oder Plätze gibt es in ganz Australien. Allerdings haben sie durch die unterschiedlichen Sprachen auch jeweils andere Namen. Der Dreaming Tree des Lebens (Yarrondo)Der Dreaming Tree des Lebens (Yarrondo) ist bei vielen Gruppen der australischen Ureinwohner ein Symbol bei großem Boro Circle Zeremonie. In einem Boro Kreis wird ein Baum gepflanzt, dessen Wurzeln in die Luft ragen, um zu zeigen, dass er von der Himmelwelt kommt. Es ist überliefert, dass während der Zeremonie die Schamanen mittels des Baumes in die Himmelswelt aufsteigen und somit für die Umsitzenden verschwinden. Und wenn sie zurück zur Erde kommen, dann berichten sie von vielen Wundern. In einer Traumzeitlegende des Koori Volkes (Victoria) wird erzählt, wie in den Träumen der Ahnen deren Geist mit Hilfe eines riesigen Dreaming Tree in den Himmel aufgestiegen ist. Nur den älteren und initiierten Männern war es erlaubt, dies zu tun. Doch eines Tages brach ein junger Mann dieses Tabu. Er lieh seinen Brüdern seine sechs Hunde, damit dieser in der Himmelswelt jagen konnten. Dann bemerkte er aber, dass nur fünf seiner Hunde zurückkamen. Seine Brüder, unfähig irgendetwas zu jagen, hatten den fehlenden Hund gegessen. Das wollte der junge Mann rächen. Er bohrte ein Loch in die Hauptwurzel des riesigen Dreaming Tree. In dieses füllte er glühend Kohle, die sich langsam durch die Wurzel brannte. Am nächsten Tag erstiegen die anderen Brüder wieder den riesigen Baum, um zu Jagen. Doch als sie zurück wollten, war ein sehr großer Riss im Stamm entstanden. Und er Baum fiel um. Dieses Geschehen ist am Himmel verewigt. Die gefangenen Brüder sind als ein Haufen von Sternen zu sehen. Und der obere Teil des Baumes, der beim Fallen vom Baum abgebrochen war, ist nunmehr ein schwarzer Fleck in der Milchstrasse. Im Wimmera Distrikt in Victoria liegen kreuz und quer Klumpen herum, von denen gesagt wird, dass sie die Samenzapfen des riesigen Baumes sein sollen. Dann gibt es auch noch eine Vertiefung beim Richardson River. Hier soll einst der mächtige Stamm aufgeschlagen sein. Am Lake Buninjon erinnert noch heute ein großes Loch daran, wo die Wurzeln einst brannten. Der Murinbata MythosIm Stamm der Murinbata aus dem Arnhem Land lebte einst eine alte Frau, die Kalwadi genannt wurde. Ihr wurde nachgesagt, dass Sie die Fähigkeit besaß, verstorbene Kinder wieder zum Leben zu erwecken. Deshalb war sie den Eltern, die anderen Pflichten nachgehen mussten, als Betreuerin der Kinder sehr willkommen. Kalwadi nannte ihre Fähigkeit und deren Ausübung für die allein gelassenen Kinder „Mutjingga“. (Siehe „Das unglaubliche Murrinh -Patha People“). Hilfreich und sorgfältig kümmerte sie sich stets um die Kinder. Und schickte die Eltern fort, damit diese ihren anderen Tätigkeiten nachgehen konnten. Die Kinder hatten ja eine Hüterin. Wenn sie die Zeit für gekommen hielt, bereitete sie für die Kinder ein Ruheplatz im Schatten. Eines Tages gab sie vor, nach Läusen in den Haaren der Kinder zu suchen. Dabei verschluckte sie die Kinder im Ganzen. Bis zu neun Kinder schaffte sie mit einem Mal. Dann verließ sie den Lagerplatz des Stammes. Als die Eltern zurück kamen waren sie entsetzt, da die Kinder weg waren. Verzweifelt suchten sie nach der Großmutter Kalwadi, die die Kinder doch behüten wollte. Die Eltern teilten sich in zwei Gruppen und suchten zu beiden Ufern des Flusses. Am Anfang war das Wasser noch klar. Aber es wurde mit jedem Meter, den sie liefen, trüber und trüber. So ahnten die Eltern, dass sie sich Kalwadi näherten. Sie beeilten sich und drehten sich erschrocken am Ufer um, als sie das Gesicht von Kalwadi im Wasser sahen. Eigentlich waren es nur ihre großen Augen, die an der Oberfläche erschienen. Einige Männer durchbohrten von rechts ihre Beinen mit den Speeren und von links wurde ihr das Genick mit einem Wurfholz gebrochen. Auf ihre Wut– und Protestschreie sagten ihr die Eltern “Du bist Schuld!“ Und obwohl es die Eltern auch schon bedauerten, tötete man Kalwadi trotzdem. Dann schnitten sie Kalwadi den Leib auf und holten ihre Kinder lebend aus deren Schoss, in dem diese verweilten, seitdem sie verschluckt worden waren. Die Retter wuschen, reinigten und schmückten die Kinder bevor sie diese zu ihren Müttern brachten. Dabei riefen sie immer wieder „Sie hatte die Kinder verschluckt!“ Das ist eine tragische, weil falsch interpretierte Legende. Sie erzählt von der höchsten Rechtsgültigkeit der Offenbarungszeremonie, des Murinbata Tribe der Punj. Und deren missverstandene Auslegung. Die jungen, in die Gemeinschaft der Erwachsenen neu Aufzunehmenden erscheinen mit Angst und Ehrfurcht, weil sie glauben, diese Initiierung geht nur durch das Verschlucken. Folglich übergaben sie sich aus Angst vor der alten Frau. In dieser obigen Legende wird der Klang der Stimme von Kalwadi zum Sound des schwingenden Bullroarers und zum Blut der Mutter, mit dem die Novizen eingeschmiert werden. So haben sie nach der Initiation eine neue Stellung und Rolle in der Gemeinschaft des Stammes.
Kommentar: Die PDF Datei CD ( 5 Euro + 1,80 EuroVersand) ist ab sofort erhältlich. Bestellungen können über die Kontaktseite dieser Web Site gemacht werden.
Mit dem DIA Vortrag am 17.April vor dem Ärztetag Thüringen in Weimar habe ich jede weitere Öffentlickeitsarbeit beendet. Aktuelle Informationen kann man nur noch in der Rubrik "Leben im Holzland" lesen. |